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verhieß ihnen, daß ſie ſpäter von ihm hören ſollten und verſchwand am Leineufer in der Dunkelheit.
Dem Herzoge Otto behagte es auf Hardegſen ſo ſehr, daß er gar nicht daran dachte, die eroberte Burg ſobald zu verlaſſen; er ließ ſofort ausbeſſern, was während der Belagerung zerſtört oder beſchädigt war, beluſtigte ſich mit ſeinen Rittern am reichen Inhalte des Moſthauſes, freute ſich der werthvollen Beute an Gold, Edelſteinen und köſt⸗ lichen Geſchirren, die er auf Hardegſen vorgefunden hatte, ließ durch ſeine Vögte das Gut Gladebeck, das Dorf Harſte und den Roſtorf'ſchen Antheil von Moringen in Beſchlag nehmen und ſchien in der fröhlichen Siegerlaune das Schloß Wolfenbüttel und Olga von Weferlingen faſt ganz ver⸗ geſſen zu haben.
Dieſe gute Stimmung war auch dem flüchtigen, von des Herzogs Leuten aufgegriffenen Junker Chriſtoph zu Gute gekommen. Als Otto die Nachricht von deſſen Ge⸗ fangennahme empfing, fühlte er die Befriedigung ſeiner Rachluſt ſo lebhaft, daß er den Gefangenen ſogleich nach deſſen Ablieferung in der Burg vor ſich beſchied und zwar in das Gemach, wo er eben mit ſeinen Rittern tafelte.
Chriſtoph, trotzig und verwegen von Natur, gefühllos für alle weicheren Eindrücke des Gemüthes, leichtſinnig im Glücke, höhniſch im Unglücke, trat, ungeachtet ſeiner Arm⸗ ketten, ſo keck und herausfordernd vor den Herzog, daß
dieſer über die Erſcheinung ſtutzte, ſie ſcharf anſah und durch 14*


