— 201—
Nicht ohne Gefahr erreichten ſie die Stadt; eilige Reiter, die auf der Landſtraße vorübertrabten, zwangen ſie oft, Verſtecke in Gebüſchen und Gräben zu ſuchen; ſie hatten vor der Flucht ihre Rüſtungen gegen die unſcheinbare Klei⸗ dung der unbewaffneten Knappen vertauſcht, aber dieſe bot ihnen nicht Sicherheit genug. Nach mancherlei Zögerungen und auf Umwegen gelangten ſie im Gebiete der Stadt an, als hier die Einwohner in der Kirche verſammelt waren, um das heilige Oſterfeſt zu begehen.
Sie wurden an der Landwehr nicht angehalten, da ſie waffenlos waren, aber am Wehnder Thore hielt ſie ein ſtädtiſcher Wachtpoſten feſt und forderte ihren Namen. Chriſtoph antwortete trotzig:—„Ei, ſeht Ihr nicht, daß wir zur Kirche wollen?“—
„Woran ſoll ich das ſehen? Etwa an Eurem wilden Blicke?“—
„Wir haben Eile“— ſagte Idan ſanft—„wir wollen nach dem Roſtorfer Edelhofe.“—
Der Wachthabende ſah den Jüngling groß an und ſprach:—„Kommt Ihr von Hardegſen? Wie ſteht's mit der Burg? Ihr ſeid wol gar flüchtige Knechte.“—
„Ja“— erwiderte Idan ſo ſchmerzlich, daß der Wacht⸗ poſten ihm auf die Schulter klopfte und ſagte:—„Alſo hat der Quade doch ſeinen Willen? Nun, dann mag er ſchön wirthſchaften; Gott mit Euch!“—
Mit doppelter Eile ſchritten die Brüder durch die ſtillen, feſtlichen Gaſſen nach dem entlegenen Edelhofe; Idan's Herz beſchleunigte ſeine Schritte, je näher er kam, Chriſtoph ging langſamer. In der Sehnſucht nach dem Anblicke der


