Teil eines Werkes 
2. Theil (1860) Schloss Hardegsen / Hermann von Maltitz
Entstehung
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So war Otto von ſeiner Gattin geſchieden; es waren drei Jahre und ſechs Monate ſeitdem verſtrichen, ohne daß er ſie wieder geſehen hätte. Margarethe war bald nach des Herzogs Abzuge nach dem Schloſſe Harſte aufgebrochen, von den theilnehmenden Herzen und Segenswünſchen der Göttinger begleitet; hier lebte ſie dem Sohne, dem Himmel und der Wohlthätigkeit. Aber ass die Göttinger ſollten bald, trotz der vermeintlichen Gunſt, die er ihnen durch die Pathenſtelle an Werner Rodens Sohne erwieſen hatte, die eigentliche Geſinnung des Landesherrn erfahren und auch die Leichtgläubigſten, Friedfertigſten und Gutmüthigſten über⸗ zeugen, daß alle Freundſchaft mit dem Quaden ein unſicherer Waffenſtillſtand ſeiner Bürgerfeindſchaft ſei. Die Stadt glaubte den Rittern, welche durch Otto's Benehmen und ſtetes Schwanken zwiſchen Gunſt und Zorn allmählig an⸗ gereizt wurden, Privilegien der Stadt zu kränken, zumal der Landesherr zu Wolfenbüttel reſidirte, ein gelegentliches Zeichen der ſtädtiſchen Macht geben zu müſſen, um etwaigen Gelüſten des Adels eine Warnung entgegenzuhalten. Es war bekannt geworden, daß der Herzog nicht nur eine un⸗ gewöhnlich ſtarke Beſatzung auf den Bollrutz geworfen und dem Schulzen Hans Druchtleif nur die Zehnteneintreibung gelaſſen, die Reiſigen aber unter einen ſchlimmen Vogt, den Heinrich Kiphut geſtellt, ſondern auch, daß er die Burgmänner auf den umliegenden Dörfern beauftragt hatte, die Städter nicht zu ſicher werden zu laſſen und ſie gelegent⸗ lich in Schranken zu halten. Die Ritter glaubten darin eine Aufforderung zu ihrem eigentlichen Adelsprevilegium und Handwerk zu verſtehen, nämlich zum Wegelagern und