Teil eines Werkes 
2. Theil (1860) Schloss Hardegsen / Hermann von Maltitz
Entstehung
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geſucht; er hatte bei öffentlichen Begegnungen in ſeiuem Fürſtenſtolze den Anſtand gegen die Herzogin erfüllt, um das Beiſpiel zu geben, wie ſeine Ritter ſich benehmen ſoll⸗ ten; er hatte in engerem Zwiegeſpräche mit der Gemahlin wol ſeine üble Laune und Kälte, nicht aber ſeine Abnei⸗ gung zu erkennen gegeben. Das war aber ſeit jener Zeit anders geworden; ein unvorbereitates Ereigniß kurz vor ſeinem Aufbruche von Göttingen hatte das künſtliche Ver⸗ hältniß beider Gatten plötzlich in die unverhüllte, thatſäch⸗ liche Wahrheit verwandelt.

Es iſt mitgetheilt worden, wie Otto mit erzwungener Gelaſſenheit eine formelle Unterredung mit Margarethen und dem Sohne zu Ende zu bringen geſucht und durch ſie den braunſchweigiſchen Patrizier von Kalm kennen ge⸗ lernt hatte; wir wiſſen, wie ſeine gute und böſe Laune, ſeine durch Breido eingeredete kluge Mäßigung und ſeine heftige, von Bürgerhaß überſättigte Natur in Ebbe und Fluth wechſelten, wie er auftobte, als er die heimliche Ent⸗ fernung Kaln's und ſeiner Tochter Angila erfuhr. Eine Natur, wie die des Herzogs, war nicht geeignet, irgend einen leidenſchaftlichen Willen oder ſchnell entbrannten Sinnen⸗ trieb der Rückſicht oder Pflicht der Gegenſeitigkeit aufzu⸗ opfern; Alles, was ihn feſſeln und reizen ſollte, mußte bei ihm aus unmittelbarer Nähe auf ihn wirken. Obgleich damals ſchon Olga in Wolfenbüttel ſeine zärtliche Laune und Galanterie beherrſchte, ſo war ſein Gefühl doch nicht gebunden, und ein neuer, ſinnlicher Eindruck mit beſonde⸗ ren Reizen aus unmittelbarer Nähe war der mächtigſte, indem er den Willen entflammte, und dieſer keinen Wider⸗