Teil eines Werkes 
2. Theil (1860) Schloss Hardegsen / Hermann von Maltitz
Entstehung
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hübſchen, ſinnlichen Weibe ſo gefährliche Gottloſigkeit, womit Olga fluchen und trinken, reiten und jagen, fechten und ſchießen, womit ſie die keckſten Reiterlieder zur Cither ſingen und die gute Sitte über dem Vergnügen vergeſſen machen konnte, hatte ſie zur dauernden Beherrſcherin der ſonſt ſo wandelbaren herzoglichen Laune gemacht. Otto hatte ſeine rechtmäßige Gattin dgxüber faſt ganz vergeſſen, denn wie hätte die fromme, ernſte, ſtillleidende und in der Würde weiblicher Sittenreinheit Achtung gebietende Erſcheinung Margarethe's ihm zuſagen können, da er ein unbehagliches Gefühl bei ihrem blauen Himmelsblicke empfand, eine Art von Gewiſſensmahnung, während Olga ihn grade in ſeinen Neigungen beſtärkte und dieſelben mit ihm theilte! Margarethe wußte, warum Otto ſie nicht nach Wolfen⸗ büttel kommen laſſen wollte; ſie ergab ſich in ihr Schickſal, lebte der Erziehung ihres Sohnes und dem Himmel, indem ſie überall Menſchenliebe, Wohlthat und Barmherzigkeit übte, für das Seelenheil des Herzogs betete und opferte und in heimlichen Augenblicken, wo das Herz, von Ein⸗ ſamkeit bedrängt, ſich ſeiner natürlichen Sympathie bewußt und mächtiger erregt wurde, ſich in die Nähe eines geliebten Todten träumte.

Seit der Pfingſtzeit des Jahres 1376, wo der Herzog unvermuthet auf dem Bollrutz erſchienen war, während die Göttinger Bürger das Schützenfeſt feierten, hatte ſich in dem Verhältniſſe der beiden Gatten viel verändert und es war eine offene Kluft zwiſchen ſie gekommen. Früher hatte Otto noch vor der Welt den Schein des guten Ein⸗ vernehmens zu bewahren oder vielmehr zu erzwingen