16—
Plötzlich erſchien der Rabe wieder, flatterte vor dem Fenſter hin und her und hielt einen Gegenſtand im Schnabel, den er irgendwo an der Mauer zu verbergen ſuchte; Friedrich war ſo gedankenvoll, daß er auf den Vogel kaum achtete; dieſer aber ließ ſich auf das Steingeſims des Fenſters nieder, ſpähete unruhig in das Gemach, ſprang hinein und hüpfte unter den Tiſch auf den Riegel, wo er die Nacht zu⸗ gebracht hatte. Hier ließ er den Gegenſtand fallen, als er gegen den ſich neigenden Rupert den Schnabel aufſperrte und ſich zur Wehr ſetzen wollte. Es war ein goldener Ring, der am Boden lag. Rupert nahm ihn auf und zeigte ihn dem jungen Herzoge. Der Ring trug eine Platte mit einem Wappen; ein ſpringender Löwe im Schilde und ein gleicher Löwe mit halbem Leibe auf dem Helme erregte Friedrich's Aufmerkſamkeit; neben dem Helme ſtanden die Buchſtaben P. v. K.— Man ſann darüber nach, welchem Adelsgeſchlechte dieſes Wappen angehören konnte; wären die Buchſtaben nicht vorhanden geweſen, ſo würde Friedrich auf den Ritter Schwiecheldt gerathen haben, der ſeit geſtern im Schloſſe anweſend war.
„Vertrauet mir den Ring an“— ſagte Rupert;„geſtern Abends zur Dämmerzeit iſt ein Mann in das Gefängniß gebracht, der einem edlen Geſchlechte anzugehören ſcheint und gewiß ein Patrizier der Stadt Braunſchweig iſt; ſein Haar war weiß, ſeine Miene finſter.— Ein Knappe er⸗ zählte mir, daß ſie ihn auf dem Wege nach Goslar er⸗ griffen und ſeine Knechte theils niedergemacht, theils ver⸗ jagt hätten; der junge Ritter Kurd von Weferlingen, der von Göttingen geſtern heimgekehrt iſt, habe die braun⸗


