Stunde wird kommen, verderbet nicht der ſieben langen Jahre Hoffnung durch eine voreilige That— bleibet Eurer Rolle getreu— Ihr habt geſtern erprobt, was Euer Ungeſtüm ſchadet.——
„Rupert!“— ſprach der Jüngling, indem er ſich zum alten Knappen kehrte, ſich auf deſſen Schulter ſtützte und ihm wehmüthig in das Geſicht ſah—„Rupert, o haſt Du denn gar kein Mitleid mit dem Sohne Deines alten Herrn? Rupert, Du kennſt das unruhige Blut meines Vaters— ſieh', wie es durch mein Herz und Hirn rinnt; wenn ich ihm auch nicht an Geſtalt gleiche, ſo fühle ich doch ſeinen Muth, ſeine feurige Ungeduld;— ha! der verrätheriſche, räuberiſche Oheim will mich durch die Stockung meines eigenen Blutes erſticken!“—
„Herr— wenn der Quade auch nur eine leiſe Ahnung davon hätte, daß Ihr einen Tropfen Blut von Eurem Vater hättet, daß in Eurem ſcheinbar ſchwächlichen Körper der Mann früh und ſtill gereift wäre, er würde Euch nicht eine Secunde länger unter der Aufſicht eines alten, greiſen Knappen laſſen und Euch nicht wie ein Kind ſtrafen.— Der unbewachte Augenblick, wo Ihr geſtern riefet:„ Ich bin Herzog von Braunſchweig und will frei reiten dürfen, wohin es mir beliebt!“— hat Euch ſchon ſeit zwanzig Stunden zum Gefangenen und mich zu Eurem Gefängniß⸗ wächter gemacht. Fordert, den Herzog zu ſprechen, bittet ihn um Gnade, gelobt Gehorſam; ich kann es nicht an⸗ ſehen, daß Ihr länger in dieſem gemeinen Gemache einge⸗ riegelt ſitzet; o, Herr, mäßiget Euch, blicket mich nicht ſo zornig an, verberget noch Eure Kraft, Eure Ehre, Ent⸗


