Teil eines Werkes 
2. Theil (1860) Schloss Hardegsen / Hermann von Maltitz
Entstehung
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durch das Gemach that und aus der Entfernung den un⸗ geſtümen Stubengenoſſen mit klugen Augen bei aufgeſperrtem Schnabel anſchauete.

Schelte nur, Kunz ſprach FriedrichDu biſt auch nicht gewohnt, einen langen Tag und eine noch längere Nacht in einem engen Mauerloche zu ſitzen; he, Alter, kannſt Du noch fliegen?

Der Rabe, der nahe an den Ofen geſprungen war, fuhr abermals auf, denn aus dem hohen, eiſernen Feuerkaſten dröhnte eine StimmeHabt Ihr mich gefragt? Gleich komme ich, hier kann ich's nicht verſtehen! Das Feuer brennt und kniſtert ſchon! Friedrich lehnte ſich, ohne zu antworten, im Seſſel über, legte die Hand über das Geſicht und überließ ſich dem ſtillen Gedanken, der ihn ſchon früh vom Lager aufgetrieben hatte, nunmehr mit dem erſchlaffenden Gefühle unbefriedigter Ungeduld. Der Rabe ſchritt ehrbar herbei, nahm ſeinen Platz unter dem Tiſche wieder ein und ſah den ſtillen Freund unverwandt an.

Nun kehrte der Alte zurück, bot dem Herrn einen guten Tag, rieb ſich die Hände und begann, den Raben gewah⸗ rend:Ei, leiſtet Euch der Kunz Geſellſchaft?

Friedrich ſprach, die Hand wie ein Erwachender lang⸗ ſam vom Geſichte ziehend:Da er mich geſtern ver⸗ mißte, ſo flog er gegen Abend in das Fenſter hier, wo ich meine ungeſtümen Gedanken hinausſchweifen ließ hinaus, weit fort dort hinaus! Rupert! bei Gott, Rupert! Ich halte es nicht länger mehr aus! Er ſprang vom Seſſel auf und trat an das Fenſter.

Beſter Herr nur noch eine kurze Zeit; die rechte

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