Wohnen und Schlafen, denn ein Lager ſtand in einer Ecke; einige Bücher auf dem rohen Tiſche, eine Poſtille auf einem Betſtuhle unter einem ſteinernen Heiligenbilde in der Mauer, ein alter Lederſeſſel und ein Waſſerkrug im Fenſter bildeten die Ausſtattung des Gemaches; ein zahmer Rabe, der vor Kälte zuſammengekauert auf dem Riegel unter dem Eichen⸗ tiſche ſaß und vor ſich hinträumten war die Geſellſchaft des Jünglings. Ein Geräuſch an der ſchwerfälligen Thür, als ob ein Riegel aufgeſchoben wurde, ließ vermuthen, daß hier ein Gefangener hauſe.
Es war der junge, nunmehr neunzehnjährige Herzog Friedrich, des Magnus Torquatus älteſter Sohn.—
Als er das Geräuſch draußen an der Thür hörte, kehrte er ſich vom Fenſter ab, warf einen verächtlichen Blick auf die ärmliche Umgebung und in ſeine Miene fuhr eine unruhige Hitze. In die Thür trat ein alter Mann, eine brennende Lampe, dürres Reiſerholz, einen Korb voll Fichten⸗ zapfen und einige büchene Scheite in Hand und Arm; als er den jungen Mann ſchon in Kleidung und in dem wär⸗ menden Mantel antraf, ſprach er: e„Ihr ſeid früher wach, als ich dachte, Herr; nun will ich ſchnell den Ofen heizen, ich kehre gleich wieder!“— Damit entfernte er ſich ſchnell, und das Geräuſch im hohen eiſernen Ofenkaſten, der aus der dicken Mauer hervortrat und mit Eiſenſtangen ge⸗ halten wurde, verrieth, daß der Alte bemüht war, das kalte Gemach behaglicher zu machen. Der junge Herzog ſchritt gegen den Lehnſtuhl, ließ ſich darin mit ſo ungeduldiger Bewegung nieder, daß der Rabe, vom Riegel des Tiſches aufgeſchreckt, mit ausgebreiteten Flügeln einige weite Sprünge


