Erſtes Kapitel.
Das Jahr 1380 hatte begonnen; Schnee lag rings um auf Feldern und Bergen; vom Schloſſe Wolfenbüttel herab erblickte man die nahen Harzgebirge im blendenden Schnee⸗ glanze der aufgehenden Sonne eines himmelblauen kalten Januarmorgens; im Frühnebel des nördlichen Horizontes erhoben ſich neben der Waldecke die grauen Formen der braunſchweigiſchen Kirchthürme und Warten; gegen Oſten ſchloß das waldige Elmgebirge im rothen Lichte die weite, hügelige Ebene.
In einem kleinen Gemache, das die Ausſicht auf das Lechelnholz gewährte, ſtand ein junger Mann am Fenſter, welches er mit ſeinem Athem ſo weit aufgethauet hatte, daß er durch die runde Scheibe ſehen konnte; er hatte ſich in einen groben, mit Fuchspelz beſetzten Mantel gehüllt, denn er ſchien zu frieren; ſeine Geſtalt war zwar klein und zierlich, aber das Auge blitzte, der gewaltſam geſchloſſene, grollende Mund ſchien die lebhaften, ungeduldigen Gedanken und Empfindungen zurückzudrängen, die der feurige Geiſt aus dem muthigen, unruhigen Blicke ſprach.
Das Gemach war nur eng und niedrig; es diente zum Maltitz, Herzog. 2. Abtheil. II. 1


