Teil eines Werkes 
1. Theil (1860) Schloss Hardegsen / Hermann von Maltitz
Entstehung
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lichen Vater, der ſeine Tochter hatte verwürfeln wollen, ge⸗ neigt zu finden, die Gunſt des Herzogs für höher zu ſchätzen, als den Einſatz des Roſtorfer Junkers. Er ſchickte ſofort einen Knappen fort, nicht um Angila, ſondern dem greiſen Edelmanne nachzufragen, den er vor allen Dingen feſthalten wollte, um dann der Tochter ſicher zu ſein. Der Knappe kam nach längerer Zeit mit der Nachricht wieder, daß Nie⸗ mand den Herrn von Kalm geſehen habe. Dieſes ſetzte Otto ſchnell in eine leidenſchaftliche Stimmung und er glaubte ſeine heimlichen Pläne verrathen, wol gar von Mar⸗ garethen durchſchaut; er ſandte einen Edelknaben zur Her⸗ zogin, ſich nach dem Braunſchweiger zu erkundigen. Auch hier erhielt er keine andere Auskunft, als daß die Herzogin ihn am Tage nicht geſehen habe. Alle dieſe Nachforſchungen geſchahen, ohne daß, außer Breido, die anweſenden Ritter etwas Weiteres erfuhren, als die zunehmende, verdrießliche Stimmung, die ſich beim Herzoge kund gab. Zum Glück war demſelben der Wohnort des Flüchtlings unbekannt ge⸗ blieben und er wußte nicht, daß ſchon bei Tagesanbruch Vater und Tochter, mit Geldmitteln der Herzogin verſehen, ihren Weg nach dem, eine Stunde von Göttingen, auf der Straße nach Duderſtadt gelegenen, ſtillen Schlupfwinkel ihrer unſcheinbaren Wohnung angetreten hatten, um ihre Angelegenheiten in Ordnung zu bringen und in Hildesheim die Auslöſung ihrer Güter mit der Herzogin Hülfe, und die Zeit abzuwarten, wo ſie mit Sicherheit nach Braun⸗ ſchweig aufbrechen könnten.

Die üble Stimmung des Herzogs wollte aber nun

irgend ein Object haben, um ſich daran auszulaſſen. Der Maltitz, Herzog. 2. Abtheil. I. 14