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Junker Chriſtoph von Roſtorf lag Otto's Gedankenfolge und der Verknüpfung der Begebenheiten am Nächſten. Er verließ mit Breido die Geſellſchaft der Ritter und forderte den Schulzen in ſein Gemach.
„Iſt der Roſtorfer abgeliefert?“— rief er dem Hans Druchtleif zu.
Dieſer, die üble Laune des Herzogs bemerkend, ant⸗ wortete etwas verlegen:„nein.“—
Jetzt tobte der leidenſchaftliche Mann auf, eiferte gegen die Stadt, den Rathsmann Roden, und hätte nicht wenig Luſt gehabt, den vor Kurzem noch mit der höchſten, wenn auch heuchleriſchen Gunſtbezeigung ausgezeichneten Raths⸗ mann ſelbſt mitten in dem ſtillen häuslichen Familienfeſte der Taufhandlung aufgreifen und in die Burg bringen zu laſſen. Er befahl dem Schulzen, augenblicklich mit einer Anzahl Knappen aufzubrechen und den Junker vom Rath⸗ hauſe zu holen.—
Der Schulze ging gehorſam. Der Herzog ſchritt zornig in ſeinem Gemache auf und nieder.
„Da haſt Du die Frucht Deiner weiſen Lehre von fürſtlicher Huld!“ ſprach er vorwurfsvoll—„das Bürger⸗ volk gehorcht nur der Furcht vor ſeinem Herrn, wie Roß und Hund. Freundſchaft aus Gnade halten die Städter für Schwäche und macht ſie kühn und trotzig. Ich hätte den Helmold niederſchlagen mögen, ob ſeines frechen Blickes, als er mir mit Hochmuth antwortete, daß es viele gute Schützen in der Stadt gebe.— Dieſen Brauer habe ich meinem Gedächtniß eingeprägt und er iſt der Erſte, der mich als ſeinen Herrn kennen lernen ſoll. Der Teufel


