Teil eines Werkes 
1. Theil (1860) Schloss Hardegsen / Hermann von Maltitz
Entstehung
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Otto ſah ihn nun noch ſtrenger, ſtolzer und, wie es ſchien, mit heimlichem Hohnlachen an, wendete ſich von ihm ab und trat zu dem Kinde.Iſt es Eurer Frau ähnlich? fragte er den Rathsmann.

Man behauptet es, Herr; möchte es der Mutter an Tugend gleich werden!

Otto lächelte gleichgültig und rief dem Henricus zu: Beginne, Pater!

Dieſer ſchritt zur heiligen Handlung. Als der Akt kam,

wo der Herzog das Kind über die Taufe halten ſollte und

Henricus in das Becken griff, um das Waſſer zu ſchöpfen, war die Sonne ſo viel weiter gerückt, das der rothe Strahl vom Fenſter abermals das Waſſer blutig färbte, und es den Anſchein hatte, als würde das Kind mit Blut getauft. Die Frau, welche den Täufling gebracht hatte, bemerkte es mit Schreck, faltete die Hände vor dem Angeſichte, ſah den Herzog ſcheu an und machte im ſtillen Gebete ihrer Be⸗ klemmung Luft. Der Herzog hielt das Kind nur wenige Augenblicke, ließ es ſich von der Frau abnehmen und trat zurück, als jene es dem Brauherrn in die Arme legte. Für die übrige heilige Handlung hatte Otto kein Intereſſe, er ſetzte ſich auf einen Stuhl und unterhielt ſich mit Breido. Auf der Prieche aber, geborgen hinter dem Gitterwerk, ſaß Margarethe mit Hanna, und wohnte mit Andacht und Wehmuth der Taufhandlung als ſtille Zeugin bei.

Als Henricus geendet hatte und Roden ſich dem Her⸗ zoge näherte, um für die Gnade zu danken und ihm zu verſichern, welche Theilnahme die ganze Stadt an der Gunſt

des Fürſten nehme, ſtand dieſer ſchnell auf und ſprach: