hört, als er in der Sakriſtei, ſeinen ſtillen Empfindungen hingegeben, eben des Augenblickes gedachte, wo er den Mord des Knappen Sperber mehr errathen, als von Gertrude's Munde erfahren hatte.—„Ha!“— grollte die Stimme des Haſſes in ihm—„die Hand des ungeſtraften Mörders will ein unſchuldiges Kind über die Taufe halten— Gott ſei der Unſchuld gnädig!“—
Ein Knappe trat in die Kapelle und ſuchte den Schulzen. Dieſer aber entzog ſich der Begegnung Helmold's und war in ſeiner Wohnung geblieben.—„Der Herzog iſt eben eingeritten“— ſagte der Knappe und eilte fort. Es währte nicht lange, ſo wurde die Thür der Kirche aufgemacht, zwei Hellebardiere ſtellten ſich auf und der Herzog, im Jäger⸗ kleide, erhitzt, heiter, lebhaft, von Breido von Ranzau be⸗ gleitet und einigen Dienern gefolgt, trat geräuſchvoll ein; er überflog die Verſammelten mit raſchem Jägerauge, wendete ſich gegen Roden und fragte ſtreng:—„Wo iſt die Mutter?“ „ Herr“— verſetzte Roden—„Ihr wollet gnädigſt bedenken, daß mein Sohn heute funfzehn Tage alt iſt.“—
Otto machte eine flüchtige, verdrießliche Miene, lächelte aber wieder, antwortete nichts darauf und fixirte die muthige, faſt trotzige Erſcheinung des Helmold. Roden ſtellte ihn vor; der Herzog maß ihn mit ſo ſtrenger Miene und o ſtolzen Augen, als wollte er den freien Blick des Bür⸗ gers niederdrücken und deſſen aufrechte Haltung beugen; als Helmold aber des Herzogs Auge und Strenge muthig aushielt, begann dieſer:—„Ihr ſeid der gerühmte Schütze?“
„Herr!“— antwortete Helmold— nes giebt viele gute Schützen in der Stadt!“


