Teil eines Werkes 
1. Theil (1860) Schloss Hardegsen / Hermann von Maltitz
Entstehung
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Hier, in der, vom Scheideblicke der Sonne und der Wachslichte feierlich beleuchteten Kapelle ſtand Helmold mit ſtillen, feierlichen Gefühlen; er ſah nach der Prieche hinauf, von wo herab er einſt die vermißte Gertrude zuerſt wieder erblickt hatte; er betrachtete den Stein mit dem Bildwerke des Jakobstraumes, wo er mit den geflügelten Engeln die Leiter hinabgeſtiegen war, um ſeinen Himmel auf Erden zu finden! Er ſtarrte träumeriſch auf die Stelle nieder, wo er Gertrude glückſelig an ſeine Bruſt gezogen und wo die Liebe ihre Herzen für immer vereinigt hatte; er ging, noch einmal die Minuten der ängſtlich frohen und muthig er⸗ glühten Empfindungen durchlebend, nach der kleinen Sakriſtei, wo er Gertrude's Vertrauen und ihr Schickſal erfahren und ſeinen innerlichſten Zorn gegen den Herzog entzündet hatte. Nur die ſtillen, ſanften Blicke des Henricus' verfolgten und verſtanden ihn.

Jetzt rief die Frau, welche das Kind trug, mit plötz⸗ lichem Entſetzen:O mein Gott, ſeht doch in das Becken, das Waſſer hat ſich in Blut verwandelt! Werner und Henricus wurden aufmerkſam und folgten mit den Augen dem Sonnenſtrahle zum bunten Fenſter hinauf. Henricus deutete auf das rothe Glas, das im Fenſter⸗ gemälde den rothen Mantel des als König ausgekleideten, verſpotteten und gegeißelten Chriſtus' darſtellte, und zog das Taufbecken etwas weiter von der Stelle; alsbald er⸗ ſchien das Waſſer wie ein blauer See unter heiterem Himmel im blauen Lichtſtrahle, der neben dem rothen niederfiel. 4

Helmold hatte dieſen Ruf der Frau aus der Ferne ge⸗