Teil eines Werkes 
1. Theil (1860) Schloss Hardegsen / Hermann von Maltitz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

,

199

Ihr müßt die Städte ſtark werden laſſen, bis zu dem Grade, daß Ihr ihr Meiſter bleibt, aber zu guten Freunden machen, falls Ihr ſie gebrauchen wollt, um den Adel nicht über den Kopf wachſen zu laſſen. Was Ihr auf einer Seite ſtärkt, ſchwächt Ihr auf der anderen; dieſes rechte Gleich⸗ gewicht iſt die Macht des Fürſten. Die eine Macht hält die andere unter Eurem Willen. 3

Du ſprichſt nicht wie ein Edelmann.

Aber als Euer Freund, als ein treuer Diener des Fürſten. Ich habe nichts weiter zu gewinnen oder zu ver⸗ lieren als Eure Gunſt. Laſſet Göttingen mächtig werden; es kommt eine Zeit, wo Ihr ſtark an Vaſallen und Ritter⸗ freunden ſeid, dann beweiſet der Stadt Eure Obergewalt; eine Gelegenheit wächſt auf jedem Baume rächt Euch an dem Trotze der Bürger, kühlt Euren alten Haß und eignet Euch zu, was ſie ſtolz und trotzig machte Geld und Wald, Feld und Pfand.

Du magſt Recht haben, Breido aber ich muß mir etwas von Deiner Ruhe in's Blut tröpfeln laſſen; Dein Rath ſchmeckt mir wie Waſſer nach glühendem Wein. Ge⸗ nug davon; ich thue, wie es mir beliebt; der Rathsmann ſoll kommen dann wollen wir zu Pferde nach Harſte.

Breido von Ranzau lachte innerlich, als er an die Thür ſchritt und dem Edelknappen zurief, daß der Raths⸗ mann erſcheinen ſolle. Dann ſtellte er ſich in den Hinter⸗ grund des Zimmers, während der Herzog hin und herſchritt.

Werner Roden trat ein, mit der Rathsherrnkette und dem Degen angethan. Otto ſah ihn mit flammenden Blicken an, als wollte er ihn feindſelig anreden.Werner!