Teil eines Werkes 
1. Theil (1860) Schloss Hardegsen / Hermann von Maltitz
Entstehung
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es iſt das Drängen der Zeit, die geſtaltende Entwickelung der deutſchen Reichsverfaſſung. Ehemals hielten die Kaiſer durch ihre Vögte die Städte unter Gewalt, die Fürſten durch ihre Dienſtleute beſetzt, jetzt aber iſt der Fürſten und Dynaſten Recht und Gerichtsbarkeit nur auf ihre Burgen beſchränkt, und die Städte üben im Umfange ihres Weich⸗ bildes Recht und Gericht. Ihr habt Recht, Herr, daß der Bürgerſtand ſich durch Fleiß in Handel und Gewerbe ge⸗ gehoben und wohlhabend gemacht hat und der Adel mit Neid und Haß auf unſere Güter und Rechte blickt, da er nicht arbeitet und verarmen würde, wenn er nicht durch Wegelagerung auf Heerſtraßen und Flüſſen, auf Frucht⸗ feldern und Weiden der Städte Eigenthum plünderte, an⸗ ſtatt dem Kaiſer nach Welſchland zu Folgen und dort für die Ehre des Reiches zu kämpfen.“—

„Oho!“— lachte Ranzau—„Der Mann möchte ein Solon ſein!“

„Nein, Herr; es wurzelt im deutſchen Volke die Vor⸗ ſtellung, daß für jegliche Genoſſenſchaft, bis zu den unter⸗ ſten Gemeinen hinab, Geſetz und Recht aus der Vereinigung des Reichsoberhauptes mit Fürſten und Städten hervor⸗ gehen müſſe, und das iſt eine Vorſtellung, die in der Welt⸗ geſchichte immer kräftiger fortwächſt und mit den Zeiten reift. Herren und Genoſſenſchaften müſſen durch Verträge miteinander leben, die Willkür muß dem Rechte, die Ge⸗ walt dem Geſetze, das Fauſtrecht dem Gerichtsſpruche wei⸗ chen. Herzog, Ihr habet, ohne es zu wollen, der Zeit be⸗ reits folgen müſſen, obgleich Ihr Fauſtrecht und Adels⸗

herrſchaft begünſtigi— Ihr habt den Städten Neijte und Maltitz, Herzog. 2. Abtheil. I.