Teil eines Werkes 
1. Theil (1860) Das Turnier zu Göttingen / von Hermann von Maltitz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Das Mädchen iſt für eines Vogtes bürgerlich Blut zu ſchön es hat meinen Schutz angerufen und ich hatte es in meinem Gemache unter der Warte gebor⸗ gen. Dort fand es die Herzogin eben durch eines Ver⸗ räthers Hülfe und nahm es im Argwohn mit in ihre Gemächer. Stehle das Mädchen dieſe Nacht, bringe es wohlbehalten nach Friedberg, aber, bei meinem Zorn, rühre ſie nicht mit lüſterner Hand an!

Das gefällt mir ſchon, Herr; ich verſuche es, es muß gelingen. Hier iſt Liſt nöthiger als Muth.

Der Pfaffe meiner Gemahlin wird das Mädchen behüten ſorge, daß es nicht heimlich fortgeſchafft und in ein Kloſter geborgen wird. Nun weißt Du genug, mein lieber Junge es ſoll heißen, Du habeſt das Mäd⸗ chen heimlich unter der Warte gefangen gehalten.

Verlaßt Euch auf mich.

Der Edelknappe entfernte ſich bald; Otto ſchritt ſin⸗ nend durch ſein Gemach. Wenige Minuten ſpäter trat ein Page ein, verneigte ſich und ſprach, auf die offen gebliebene Thür zeigend:Die Herzogin. Otto blieb mit verſchränkten Armen ſtehen und blickte ſpöttiſch auf die Thür, in welche die weißgekleidete, verſchleierte Margarethe langſam eintrat. Der Page wich zurück und entfernte ſich auf eine Handbewegung ſeiner Gebieterin. Dieſe ſchlug den Schleier zurück und ſah mit leidender, bleicher und flehender Miene den Gemahl an, der ſie, in ſeiner Stellung beharrend, mit lächelndem Uebermuthe betrachtete.

Herr und Gemahl! ſprach Margarethe mit ſanfter, den Schmerz nur wenig beherrſchender Stimme