Teil eines Werkes 
1. Theil (1860) Das Turnier zu Göttingen / von Hermann von Maltitz
Entstehung
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wunderſt Du Dich? Warum ſiehſt Du mich ſo unge⸗ wiß an?

Ihr wollt mich wol zu einem Geſtändniß auf die Folter ſpannen, Herr? Ich habe nicht mehr gethan, als der Groner Vogt für Recht hielt.

Was ſoll das heißen? Junge, ſäßeſt Du etwa dem Mädchen im Kopfe und reizteſt ſie zum Widerſtande gegen Andere?

Ich möchte es wohl, aber es gelang mir nicht. Als Ihr mich neulich nach dem Bollrutz geſandt hattet, um zu beſtellen, daß man den Freudenberg zum Turnier einrichten ſolle, kam ich auf dem Heimritt an der Maſch⸗ mühle vorbei; der Nebel war ſo ſtark, daß man keine fünf Schritte vorausſehen konnte; ich forderte einen Trunk, ein hübſches Müllermädchen reichte ihn mir, ich ergriff es, zog es auf's Pferd und ſprengte davon. Es mußten aber Göttinger Bürger in der Nähe auf der Jagd ſein; plötzlich hörte ich im Nebel Stimmen, Schritte, Signale; ein junger Bürger mit Armbruſt und Spieß ſprang an mein Pferd, das die ſchöne, nach Hülfe ſchreiende Magd an den Zügeln hielt und im Laufe hemmte. Ich hatte nur einen Knappen bei mir, wußte nicht, wie ſtark die Zahl der Gegner war, mein Knappe erhielt einen Bolzenſchuß in den Arm, ich ließ das Mädchen im Stiche und ſuchte im Nebel das Weite.

Der Herzog hatte mit Wohlgefallen zugehört. Du kannſt daſſelbe Mädchen noch einmal ſtehlen, aber nicht für Dich, ſondern für einen Anderen; haſt Du Muth und Geſchick?

Befehlt, das ſoll mir eine Luſt ſein.

Maltitz, Herzog. I.