— 239—
Margarethens, die Fragen an Gertrude und die Verleug⸗ nung ſeiner Perſon. Dieſes Benehmen des Mädchens reizte ſeine Neigung zu ihr; hatte deren Widerſtand be⸗ reits ſeinen Eigenwillen geſtachelt, ſo erfüllte ihn jetzt der Heroismus, womit ſie ſeine Perſon gegen die Gemah⸗ lin nicht preisgeben wollte, mit neuem Wohlgefallen, neuem Verlangen, dieſes Mädchen, ganz nach ſeinem Geſchmacke, zu beſitzen.— Als die Herzogin ſich entfernt hatte, trat er in die Rotunde zurück, warf einen geringſchätzenden Blick auf die Leiche, ſtieß ſie mit dem Fuße an und ſagte: —„Alte Ratte, warum biſt Du hitzig in die Falle ge⸗ laufen?— Alſo gebeichtet haſt Du? Nun, ſo biſt Du ja zeitgerecht meines Dienſtes entlaſſen und Dein Mund wird nicht zum zweiten Male meine Angelegenheit dem Pfaffen verrathen. Alter Spitzbube, Du haſt gebeich⸗ tet?“— Der Herzog ſchritt eilig fort, ergriff im Neben⸗ zimmer den Armleuchter, welchen er ſelbſt auf den Mar⸗ mortiſch vor dem Spiegel geſtellt hatte und entfernte ſich, ſpähend vor ſich hinleuchtend, in ein entferntes Gemach, das jenſeit des Trinkſaales lag.— Er horchte,— draußen auf den Gallerien wurden die Wachen abgelöſt, der ſchwere Tritt der Hellebardiere erſcholl vor der Thür. Der Her⸗ zog rief nach einem Diener; alsbald trat durch eine Sei⸗ tenthür ein ſtämmiger, ſchwarzbärtiger Knappe in ledernem Koller ein.—„Der Edelknappe Hermann von Hanſtein ſoll kommen“— befahl der Herzog, deſſen Geſicht erhitzt, deſſen Rede haſtig war und deſſen Blicke unſtät umher⸗ ſchweiften. Als er dem Knappen nachſah, rief er ihn noch einmal zurück.——„Biſt Du nicht der Burſche, der über den Holzgraben ſetzte, um den Hirſch mir vor


