Teil eines Werkes 
1. Theil (1860) Das Turnier zu Göttingen / von Hermann von Maltitz
Entstehung
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ſie ſich auf und fragte, nach Muth und Faſſung ringend: Wo iſt der Herzog? Als Henricus ſie überraſcht anſah und dann die entfernt in ſcheuer Erwartung har⸗ rende Gertrude mit fragender Miene ſuchte, fuhr ſie ſchnell fort:ein Mord von geheimer Hand bezeichnet dieſe Stunde Henricus, ſieh jenen dort bete für ihn und den Thäter! Der Mönch folgte dem Zuge ihrer zitternden Hand in die Rotunde; als er die Leiche erkannte, fuhr er erſchrocken zurück, zog der Her⸗ zogin Hand mit ſich und bat:Kommt, o, eilet weg von hier, dies iſt kein Anblick für Eure Augen! Gott hat dieſen Menſchen getroffen, durch die Hand der Sünde, der er diente, vor wenigen Stunden hat er bei mir gebeichtet und das Sakrament em⸗ pfangen.

Gebeichtet? fragte Margarethe und ſah den Mönch eindringlich an.Ha! nun begreife ich Dich! flüſterte ſie ſeufzend und ſchlug den Schleier über das Geſicht, um Schmerz und Thräne zu bergen. Hen⸗ ricus führte ſie hinweg; Gertrude, mit dem Armleuchter drängte ſich, auf einen Wink der Herzogin furchtſam und befangen an die Seite des Mönchs. Die Gemächer des Herzogs waren leer. Die Herzogin ſchritt matt und ſtumm mit ihrer Begleitung in den von ihr bewohnten Flügel der Burg.

Herzog Otto hatte kaum ſeine raſche leidenſchaftliche That vollbracht, als er ſah, wie Gertrude zu den Füßen ſeiner Gemahlin lag. Sogleich enfernte er ſich durch die andere Thür der Rotunde, riegelte ſie hinter ſich zu und blieb hier ſtill verborgen. Hier hörte er die Stimme