Teil eines Werkes 
1. Theil (1860) Das Turnier zu Göttingen / von Hermann von Maltitz
Entstehung
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Bart gedrückt, feſſelte ſie mit heißen, glänzenden Blicken und küßte ſie auf Stirn und Hals; jetzt erkannte Ger⸗ trude ihre Lage und begann zu ringen und unter Bitten und Abweiſung einen ſchnellen Widerſtand zu leiſten. Dieſer reizte des Herzogs Leidenſchaft zum höchſten, er bezwang ſie mit kräftigen Händen, hob ſie empor und wollte ſie nach dem weichen Polſter tragen. Sie ſchrie um Erbarmen und Hülfe; die im Ringen enthüllten Reize ſteigerten ſeine Begier; bald ſchmeichelnd mit zärt⸗ licher Liebesgluth, bald in zornigen Worten auffahrend, kämpfte er mit der Nothwehr und muthigen Verzweiflung der Schönheit und Unſchuld, die er als gewiſſe Beute begierig mit den Blicken verſchlang. Er hatte ſie jetzt, in ſeinen Armen die Kraft des Mädchens beherſchend, und ihren Mund mit ſeiner darauf gedrückten bärtigen Wange ſchließend, in brennender Begier vom Boden ge⸗ hoben, um ſie auf die Polſterbank zu tragen, als ein ei⸗ liger Gang im hellen Nebenzimmer erſcholl; der Herzog hörte es nicht, ebenſo wenig die halb ohnmächtige Ger⸗ trude. Sperber war es, der mit erregter Miene und wie ein Fliehender herbei lief, den Herzog mit dem Mäd⸗ chen erblickte, zurückprallte, die Geberde der Verzweiflung machte und dann abermals hinzutrat und rief:Herr! Herr! Ich bitte Euch um Alles in der Welt, laßt ab kommt!

Der Herzog, vor den Blicken des Knappen ſich be⸗ ſchämt fühlend, ließ das Mädchen ſinken und packte den alten Diener im heftigſten Zorne in die Halskrauſe. Schurke! was belauſcheſt Du mich hier? Warum haſt Du Deinen Poſten verlaſſen?