Teil eines Werkes 
1. Theil (1860) Das Turnier zu Göttingen / von Hermann von Maltitz
Entstehung
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die den Bedürfniſſen oder Liebhabereien des Beſitzers dienten, gelangte er an die Thür, deren rothes Glas mit dem Wappen des goldenen Löwen ihn etwas anfhielt, um zu horchen. Es herrſchte eine lautloſe Ruhe in dem Thurmgemache; er ſtellte den Armleuchter auf einen Mar⸗ mortiſch vor einen Spiegel, daß die beiden brennenden Kerzen ein doppeltſtarkes Licht verbreiteten, dann horchte er wieder und glaubte langſame und tiefe Athemzüge zu vernehmen. Er öffnete die Thür; der Kerzenſchein fiel in die Rotunde und machte augenblicklich den Mondſchim⸗ mer, der hier geherrſcht hatte, erbleichen. Mit glänzendem Auge, wie ein über der Taube kreiſender Habicht, beobach⸗ tete er, in einem Kreiſe die Beute der Gier umſchleichend, die edle Geſtalt Gertrudens, die der müden Natur, nach dem nächtigen Ritte und den Aufregungen des Tages, unterlegen, auf dem Seſſel am Fenſter in einen tiefen Schlaf der Abſpannung geſunken war. Das Haupt auf die Polſterlehne übergelegt, die weißen Arme am Körper niedergefallen, das dunkelbraune üppige Haar, der Nadel entſchlüpft und in gelockerten Flechten und Schweifen von Schläfen und Schultern fluthend, einem dunklen Strome der Leidenſchaft gleich, der die weiße, heiße Haut überfloß und auf der drängenden, die Enge des Mieders überquellenden Bruſt auf⸗ und abwogte; die ſchönen, ſtolzen Glieder, widerſtandslos weich gedehnt, unbehütet von dem Gefühle der Jungfrau, über die weichſammtnen rothen Polſter des Seſſels hingegoſſen; die Augen wie ein verhülltes Geheimniß der ſüßen Viſionen eines Mäd⸗ chentraumes, von Lid und langen Wimpern geſchloſſen; den Mund halb geöffnet, einer Kirſche an Erquickung