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Tugend und Reinheit durch die finſtern Schatten ſei⸗ ner Sorge trüben zu wollen. Während die Herzogin, die eben von ihrer frommen Wallfahrt heimgekehrt war, die Treppe heraufſtieg, war Henricus zurückgewichen, hatte ſich, wie ein Frevler am Heiligthum, hinter einen Pfeiler verborgen, das Geſicht in die Hände gedrückt und ſich dem Kampfe der Sorge und höchſten Gefahr mit dem Gefühle der behütenden Liebe und ſanften Schonung hin⸗ gegeben. Er hörte das Rauſchen des Gewandes nahe bei ſich, er horchte der Stimme der Herzogin, welche fragte:—„iſt mein Gemahl heim? Es iſt ſo ſtill im Schloſſe.“— Jetzt hielt ſich Henricus nicht mehr, in ſei⸗ ner ſtürmiſchen Seele redeten Treue, Pflicht und höchſte Noth lauter als zuvor:—„die Stille der geheimen Sünde wohnt im Schloſſe— ſie, die Engelsgeſtalt muß den Sünder beſchämen, ſie, die Gattin den Gatten an Ehre und Gewiſſen mahnen— unbelauſcht, vor keines fremden Menſchen Auge und Ohr— ſie muß ihn ſtören, ihn rufen, ohne gekränkt zu werden, von dem Anblicke ſeiner ungetreuen Abſicht;— wenn er ſie anſchauet, einen Engel des Himmels, er muß, ſtill reuig und voll Schaam vor ihrem Blicke wie ein Sünder erröthen und ſeiner Untreue Gelüſt erſticken;— es ſei, Gott helfe mir!“— Henricus eilte der Herzogin nach und erreichte ſie auf der Schwelle ihrer Gemächer und ſprach:—„Im Namen der Heiligen, vergönnt mir ein Wort!“— Die Herzogin ſah dem Pater überraſcht in das Geſicht und erſchrak.— „Was iſt Dir, Henricus— iſt mein Sohn erkrankt?“—
——„Nein, hohe Frau— o vergönnt mir, mit Euch allein zu reden.“


