Teil eines Werkes 
1. Theil (1860) Das Turnier zu Göttingen / von Hermann von Maltitz
Entstehung
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Seele, es war ihm zu Muthe, als würde eine Heilige an ihrer Würde und Hoheit freventlich geſchändet und er mußte unthätig es geſchehen laſſen. In ſeiner dunk⸗ len Zelle warf er ſich auf die Kniee, um Gott anzuflehen, in dieſer Zeit ſeines inbrünſtigen Gebetes keine Schmach über der Herzogin reines Herz und weltliche Ehre kom⸗ men zu laſſen, über ſie, die in dieſem Augenblicke vielleicht am Altare zu Nicolausberg für des Gemahls Heil opfere. Die Unruhe ſchreckte den Betenden auf, er glaubte einen Schrei zu hören er eilte hinaus in die Gegend der Treppe. Wie auf eine vom Himmel ge⸗ ſandte Erſcheinung ſtarrte er die Stufen hinab auf das Bild des Friedens und der Tugend, das ſeine unſtäten Augen plötzlich feſſelte.Gott hat mein Gebet erhöret und will es ſo, klang es in ſeiner unruhigen Seele da ſendet er den Engel, den ich erflehte! Unten an der Treppe erſchien ein blau und weißgekleideter Page, eine Wachsfackel tragend, hinter ihm Margarethe, im einfachen weißen Gewande, einen langen, bis zu den Füßen reichenden Schleier vom edlen, ſchönen Antlitze

zurückſchlagend und aus großem, reinen Blicke den Frieden

der Frömmigkeit ſtrahlend. Sie ſtieg langſam die Stufen herauf, ihr folgte die ihr vertraute Geſpielin ihrer Kind⸗ heit, die aus der bergiſchen Heimath mit ihr gekommene Hofdame Hanna von Kehl, ein ſanftes, neunzehnjäh⸗ riges Edelfräulein.

Als Henricus dieſes Bild eines vom Himmel gekom⸗ menen Engels erblickte, wurde er in ſeinem von Angſt und Rathloſigkeit ermuthigten Entſchluſſe ſchwankend, es ergriff ihn Andacht und Schmerz, dieſen Frieden der Maltitz, Herzog. I. 15