Teil eines Werkes 
1. Theil (1860) Das Turnier zu Göttingen / von Hermann von Maltitz
Entstehung
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Müller die Geſchichte erzählen und Gertrude ſehen; ich traf ſie nicht; der Müller ſtand vor der Thür und ſchritt mit mir ins Freie, um meinen Eintritt in das Haus zu verhüten; er hörte die Begebenheit mit liſtiger Miene an, dankte gleichgültig und ſagte:„Machet kein Aufſehen von des Vogtes That, er ſteht dem Mädchen durch ſeine Freundſchaft zu mir näher als Ihr, und auch dem Her⸗ zoge.— Laſſet Euch mit dem Geſchehenen genügen, der Vogt war in ſeinem Rechte und reizet nicht der Amts⸗ leute Sinn gegen die Bürger. Meine Tochter kann Euch ſelber nicht für Euren guten Eifer danken, da ſie in der Stadt iſt, um für ihre Hochzeit einzukaufen.“— So mußte ich wieder gehen.— Ich wollte ſie mir aus dem Sinne ſchlagen, aber ich mußte immer wieder an ſie denken und wurde verdrießlich, was ich mir als Aerger über des Vogts Gewaltthat einreden wollte.— Ich ſchweifte einige Male in der Gegend der Mühle umher, hoffend, ich werde der ſchönen Gertrude begegnen, aber ich ſah ſie nicht wieder. Zwei Wochen ſpäter erfuhr ich dann, das der Vogt das Mädchen zum Weibe begehrt und dem Müller als Lohn zugeſagt habe, ihm beim Herzoge die ſchöne Amtsmühle bei Grone zu verſchaffen; da habe der habſüchtige Mann ſchnell einen Handel mit dem Vogte um das Blut ſeiner Tochter abgeſchloſſen und die Hochzeit befohlen. Gertrude aber ſei, in Abneigung gegen den wilden Vogt, entflohen und dieſer habe durch ſeine Er⸗ zählung des Herzogs Sinn, der keinen fremden Willen eines Unterthanen leiden kann, ſo gereizt, das er Be⸗ fehl gegeben habe, das Mädchen aufzutreiben, nach Hauſe zu bringen und dem Vogte anzutrauen. Daſſelbe ſei