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„Ja, ich liebe Gertrude Blote und kann nicht ruhig werden!“ rief Helmold,—„und wenn ich das Mädchen von der Herzogin ſelber fordern ſollte, oder dem Groner Vogte und der ganzen adligen Sippſchaft den Abſage⸗ brief hinwerfen müßte.“
„Nicht zu eifrig junger Freund!“ ermahnte der Raths⸗ herr mit erhobenem Finger;—„es giebt in Göttingen vieler guter Bürger hübſche Töchter, die beim Bolzen⸗ ſchießen und am Meiertage die blanken Augen auf Ench richten. Es iſt ein gefährlich Ding, um ein Mädchen zu ſtreiten, das die Adligen, die Amtsleute und gar der Her⸗ zog für einen ihrer Vaſallen und Gehülfen beſtimmt haben; ſie ſind die Gewalthaber und die Herzogin iſt nicht Herrin über ſie. Erzählt Eure Geſchichte zu Ende, dann will ich Euch ſagen, was ich davon weiß.“
Berthold Helmold ſah finſter zu Boden; der alte Tiele Freitag aber ſprach:„Ihr ſeid zu beſorgt, Werner, daß irgend ein neuer Zwiſt mit dem Herzoge und der Stadt ausbrechen könne,— aber eines Mädchens wegen wird Otto nicht den Frieden brechen, er ſinnt nur auf Vortheil und Gewinn.“
„Kann er nicht aus jeder kleinen Urſache Händel an⸗ fangen?“ fiel Roden lebhafter ein,„kann er bei ſeinem Starrſinn, der jedes Bürgers eigenen Willen für Trotz hält, nicht leicht unſere Privilegien und Verbriefungen angreifen? Ich danke dem Himmel, daß er ſeit zwei Jah⸗ ren Ruhe hält und das Privilegium achtet, das er uns, auf unſer anſehnlich Geſchenk von 450 Mark löthigen
Silbers, am Donnerstage vor dem heiligen Margarethen⸗
tage 1368 brieflich gegeben hat und durch ſein heutiges


