die Zügel gefaßt und dieſe feſt angezogen, der Reiter die Sporen in die Weichen des Thieres gedrückt, das, nicht
wiſſend, ob es Zügel oder Sporen gehorchen ſollte, ſich
bäumte und den Boden ſchlug.—„Räuber!“— rief ich und richtete den Bolzen auf ihn; auf meinen Ruf er⸗ ſcholl meiner Jagdgenoſſen Geſchrei:—„Wo iſt der
Räuber! Nieder mit ihm!“— Der Burſch ſah ſich nach mir um, horchte, ſchien unſchlüſſig, ob er ſich gegen Viele wehren ſolle oder das Weite ſuchen— da ließ er das am Roſſe ſchon halb niedergeglittene Mädchen fallen und ſprengte davon. Dem Knappen, der das Mädchen auf⸗ greifen wollte, ſchoß ich einen Bolzen zu, ich hörte ihn aufſchlagen, das Pferd fuhr zur Seite und brauſete ſchnaubend hinter dem im Nebel verſchwindenden Junker her. Ein himmliſch ſchönes Mädchen lag am Boden;— vom Ringen erſchöpft, aber ſchnell ſich faſſend, das her⸗ abgefallene Haar zurückwerfend und mich ebenſo muthig, wie lieblich anſtarrend, erwartete ſie meine Anrede nicht, ſondern ſprang auf, eilte mir entgegen und rief:—„Seid Ihr ein Göttinger Bürger, ſo ſchützt mich ferner, Ihr ſeid mein Retter, führt mich heim nach der Maſchmühle, dort war ich allein, da mein Vater in der Stadt und meine Mutter zur Taufe in Bovenden iſt; der Ritter kam von der Stadt; ich ſtand vor der Thür, er hielt an, forderte ein Glas Milch, als ich ſie ihm brachte, riß er mich auf's Pferd und ſprengte mit mir feldwärts. Der Mühlknappe hörte im Lärm der Räder meinen Hülfe⸗ ſchrei nicht.“— Ich war erſtaunt über die Schönheit und edle Geſtalt des Mädchens, ich konnte ihr nur in die brannen Augen ſchauen und kein Wort finden— meine 1. 2


