Adligen und Amtleuten an; aus kleinen Liebesaffai⸗ ren entſtehen oft Fehden mit der ganzen Stadt und der Herzog läßt auf ſeine Ritter und Vögte nichts kommen.“—
„So vernehmt und beſinnt Euch, was Ihr mir rathet.
Es ſind etwa vier Wochen, als ich bald nach Neujahr,
mit einigen Genoſſen von der Gilde und an einem Ne⸗
beltage, auf die Haſen⸗ und Hühnerjagd ging; wir waren
luſtig und guter Dinge, hatten gute Beute gemacht und
ſtreiften weit über die Landwehr in's Feld. Da hörte
ich vom Hohlwege her einen Hülferuf von Weibesſtimme;
ich ſah im Nebel nichts, hörte aber Hufſchlag und Ge⸗
räuſch wie von Waffen. Ich ſtürzte hin, meine Gefähr⸗
ten mir nach, aber ich kam ihnen weit voraus, ſo daß ich
ſie kaum mehr im Nebel hinter mir ſah und nur ihren
Ruf vernahm. An einer Hecke hielt ein reiſiger Knappe
ſein Pferd an, um zu horchen und mich und die Zahl
der Heraneilenden zu erkennen, dann ſprengte er auf die
Höhe des Weges, wo aus dem Nebel das Geräuſch eines den Boden ſchlagenden und nicht weiter von der Stelle kommenden Roſſes ſich mit dem Angſt⸗ und Hülfeſchrei eines Weibes miſchte und verſtärkte. Ich dachte nicht
anderes, als daß eine Unthat an einem Weibe unſerer
Stadt geſchehe, wartete nicht auf das Sammeln meiner
Genoſſen und ſtürzte mit Schwert und Armbruſt fort;
der Knappe kehrte zurück, um mir den Weg zu verlegen, ich richtete die Armbruſt auf ihn, er war ungepanzert und wendete ſein Pferd, um im Nebel auszuweichen. Ich eilte weiter— da erblickte ich einen jungen Ritter oder
Edelknappen, mit einem Mädchen ringend, das er müh⸗ ſam auf dem Pferde zu halten ſuchte; das Mädchen hatte


