Teil eines Werkes 
1. Theil (1860) Das Turnier zu Göttingen / von Hermann von Maltitz
Entstehung
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werden, auch will ich glauben, daß er, bei ſeinem gutem Verſtande und lebhaften Temperamente, vielleicht einer der vortrefflichſten Prinzen des Hauſes Braunſchweig und Lüneburg geworden wäre, wenn ſein Leben nicht in die Zeit fiele, wo Streit, Raub, Mord und Willkür adlige Tugenden geheißen werden aber ein Mann, der die Farbe ſeiner Zeit und Umgebung annimmt, nicht eigene Wege und Ziele verfolgt, ſondern der Strömung, die ihn ergreift, folgt und der fortgeriſſen wird, wo er lenken und ſelbſtſtändig ſein ſollte, ein ſolcher Mann iſt nur ein ge⸗ wöhnlicher Menſch, der nur dann gut und tüchtig ſein kann, wenn ſeine Zeit eine gute und glückliche iſt. Tiele Freitag blickte, da Werner Roden ſchwieg, auf den ſchon längere Zeit ſtumm nebenan fortgeſchrittenen jüngeren Bürger, der, obgleich er dieſes Geſpräch ange⸗ regt hatte, doch keinen Antheil daran zu nehmen ſchien; und als Tiele bemerkte, daß jener gedankenvoll niederſah und kaum des Begleiters Anſchauen gewahrte, ſo hub dieſer an:Was tragt Ihr denn im Sinn, Berthold? Eure Miene ſagt mir, daß Ihr in Eurem Feuergeiſte den Groll gegen unſere unechten Freunde ſtill weiter brütet. Ja, rief Berthold Holmold mit kühnem Blicke das Geſicht erhebend und die Hand ballend, als ſuche er einen Gegnerja ich bin in eigene Gedanken gera⸗ then; nennt ſie Groll oder mit einem andern Namen, es bewegt ſich in mir ein Gefühl, das nicht weniger kampf⸗ luſtig iſt, als das der Tournier⸗Ritter. Ihr habt der Herzogin und ihres Strebens gedacht, das Unrecht ihres Gemahls an Anderen wieder zu ſühnen, Ihr habt den