Teil eines Werkes 
1. Theil (1860) Das Turnier zu Göttingen / von Hermann von Maltitz
Entstehung
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Eine gute, edle Frau ſagte Werner Roden; aber der Herzog ſcheint in ſich gekehrt zu ſein, die wil⸗ den Züge mit den Rittern abgethan und den guten Willen zu haben, mit uns Bürgern fernerhin in gutem Einver⸗ nehmen zu leben.

Laßt Euch nicht durch des Herzogs Gunſt und Gnade beſtechen, Werner verſetzte Freitag;weil er ein liſtiger Kopf und Ihr ein angeſehener Rathsverwandter unſerer Stadt und Geſponſt eines ſchönen Weibes ſeid, ſo hat er Euch neulich auf dem Hagen durch ein herab⸗ laſſendes Wort und durch die Zuſage gewonnen, Euren nächſt geborenen Sohn aus der Taufe zu heben. Aber trauet ihm nicht, ſeine Abſichten gehen weiter als in Euer Haus, ſeine Ritter ſind uns gram und er hört auf ihre Rathſchläge, wenn es nur was zu raufen oder zu rauben giebt.

Schuldigt mich nicht an, daß ich die Sache der Stadt und Gemeine aus eitler Verblendung von der Gunſt des Herzogs verließe und der Ritter williger Freund ſei; ich ſage Euch, ſo lange die Welt ſteht, ſind der Bürger rechtliche Sache und der Ritter Sinn und Handwerk un⸗ verſöhnliche Feinde mit einander und werden es ſein in alle Zukunft; und ich bin gewiß, daß die Fürſten jeder⸗ zeit in Anſehen und guter Regierung verlieren werden, wenn ſie nicht mit den Städten und Bürgern halten, ſondern der Ritter falſcher Freundſchaft leben und mit ihnen gemeinſchaftliche Sache machen. Ich halte aber dafür, daß man dem Herzoge mit gutem Willen entgegen⸗ kommen ſoll, wenn er der Bürger Vertrauen und gutes Einvernehmen ſucht und, wenn der Herzog mir die Ehre