Teil eines Werkes 
1. Theil (1860) Das Turnier zu Göttingen / von Hermann von Maltitz
Entstehung
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beſetzt, die vorderen Stufen, für die eingeladenen Edel⸗ damen und älteren oder nicht kämpfenden Adligen, aber noch größtentheils leer waren. Beſonders zeichneten ſich zwei Balkone mit köſtlichen, goldgefranzten Scharlachdecken und gleichen Baldachins aus, deren fürſtliche Wappen ſo⸗ gleich andeuteten, daß hier die Plätze der Herzogin mit ihrem Gefolge vorbereitet waren. Reiſige Knappen und Söldner hielten an den Eingängen und fürſtlichen Sitzen ſchon lange in glänzendem Waffenſchmuck Wache; die Turniervögte ſtanden, des Feſtes wartend, vor der Bahn, deren beide Enden, die Schranken genannt, mit geſpannten Seilen geſchloſſen, von den Grieswärteln, den Aufſehern des Kampfplatzes, beſetzt waren, während die Prügel⸗ knechte mit ihren Stäben den ausgelaſſenen Pöbel zur Ruhe brachten und die Wege nach den Schranken von der andrängenden Volksmenge frei erhielten.

Unter der Zahl der Einheimiſchen und Fremden, welche aus Häuſern und Herbergen hervorbrachen, um dem Kampfſpiele zuzuſchauen, bemerken wir drei Männer, denen wir unſere beſondere Aufmerkſamkeit widmen wollen. Ihrer Tracht nach gehören ſie zu den angeſeheneren und wohlhäbigen Bürgern der Stadt und ſie gehen langſam, die eiligeren Gruppen der Neugierigen und auf einen guten Zuſchauerplatz Bedachten, an ſich vorüberſtreifen laſſend, als ob ſie, als eingeladene Gäſte des Feſtes, ihres Platzes auf der Tribüne ſicher waren. Der eine dieſer Männer war etwa ein Fünfunddreißiger an Jahren, von kräftiger Geſtalt, entſchloſſener, edler Miene, einem feſten, aber leutſeligen Blicke und einem dunklen, lockigen Barte; die Kette, welche er am Halſe über dem ſchwarzen,