wenn er auch den Himmel mit einer leichten Wolkenſchicht bedeckte und den Sonnenſchein abhielt, auch die Linden und Ulmen des Waldes nicht mit Grün zu ſchmücken ver⸗ mochte, ſo war doch der Tag mild und hell und das heiße, bewegte Blut der Ritter, Edeldamen und Bürger machte vergeſſen, daß die Winterzeit noch nicht verſtri⸗
chen war. 3
Schon am frühen Morgen des Feſttages wehten von den Zinnen der Burg, außer der herzoglichen mit dem Löwen gezeichneten Fahne, viele Banner und Fähn⸗ lein herab und die Trompeten blieſen, nach dem üblichen
Choral, ein luſtiges Morgen⸗ und Wecklied vom Thurme in die ungewöhnlich früh belebte Stadt nieder.
Am vergangenen Abend vor dem heutigen Turnier⸗ tage hatten die Göttinger bereits das Schauſpiel der Turnier⸗Vesper gehabt, ein herkömmlicher Gebrauch, wo die Knappen, das heißt, die noch nicht zum Ritter ge⸗ ſchlagenen Adelsſöhne, mit leichten Waffen in der Stech⸗ bahn kämpften und die Sieger von den Rittern und Damen ihre Preiſe empfingen. Derjenige Knappe, der ſich am Meiſten hervorgethan hatte, pflegte dann zum Ritter geſchlagen zu werden und durfte am anderen Tage dem Turnier beiwohnen und mit kämpfen.
Die Stunde des öffentlichen Feſtes war nahe; die Stech⸗ und Rennbahn auf dem Freudenberge, an der⸗ ſelben Stelle, wo jetzt die Univerſitäts⸗Reitbahn ſich be⸗ findet, war mit Bannern und Wimpeln geſchmückt, der länglich viereckige Platz rings um mit einem, in Stufen ſich erhebenden Gerüſte für die zugelaſſenen Zuſchauer erbaut, deſſen mittlere und höchſte Reihen bereits gedrängt


