Teil eines Werkes 
1. Theil (1860) Das Turnier zu Göttingen / von Hermann von Maltitz
Entstehung
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guten Einvernehmen geweſen, namentlich wegen Münze und Wechſel, Mühlenkauf, Anlegung eines Zolls vor den äußeren neuen Thoren, und wegen Pfandrechts, und der lebhafte, bürgerfeindliche Otto hatte dieſe bei ſeines Vaters Tode noch nicht erledigten Streitpunkte mit einer, ſeinem Temperamente und ſeiner Geſinnung entſprechenden Hitze fortgeſetzt, und obgleich dieſelben zur Zeit geſchlichtet und beſeitigt waren und Otto ſich gern und oft auf dem Bollrutz aufhielt, ſo hatten die Göttinger doch eine gewiſſe Vorſicht gegen den Fürſten, und eine ſtille Abneigung gegen ſeine Freundſchaft mit den Rittern bewahrt, die in der Burg fleißig einkehrten und dort laute und verſchwen⸗ deriſche Beluſtigungen mit ihrem fürſtlichen, gaſtfreien Freunde trieben.

Zur Zeit war das Einvernehmen der Stadt mit dem Fürſten ein äußerlich gutes; Otto hatte den Göttingern ſeine Gnade bereits dadurch bezeugt, daß er im Jahre

1368, alſo vor kaum zwei Jahren, ſein Beilager mit der ebenſo ſchönen, als frommen, damals ſechszehnjährigen

Margaretha von Jülich⸗Cleve⸗Berg auf dem Bollrutz hielt und die Stadt an den vieltägigen Feſtlich⸗ keiten Theil nehmen ließ, die bei jener Gelegenheit eine große Fürſten⸗ und Ritterzahl in Göttingen verſammelt hatte. Auch das heutige große Turnier in der Stechbahn der Stadt ſollte eine Gunſt ſein, die der Fürſt den Bür⸗

gern erwies, die durch die große Menge der herbeigezo⸗

genen Fremden mancherlei Vortheil fanden.

Obgleich ein Februartag, ſo war derſelbe doch dem Feſte nicht weniger günſtig, als die heitere Stimmung des Herzogs; ein weicher Südoſtwind erwärmte die Luft und