Teil eines Werkes 
1. Theil (1860) Das Turnier zu Göttingen / von Hermann von Maltitz
Entstehung
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Bollrutz, auch Boller⸗ oder Ballerhaus genannt, Benen⸗ nungen, die auf Bollwerk und prunkendes Geräuſch deuten, lag in der Nähe des vor der Stadt befindlichen feſten Nicolaithors, dicht an dem noch beſtehenden Hardenberger Hofe, wo bis vor nicht langer Zeit der Pleſſer Hof ſtand, und zwar auf dem freien Platze der gegenwärtig Plan, Burg⸗ oder Ritterplan heißt. Damals war ſie ein ſtolzes, befeſtigtes Schloß mit hohen Schanzmauern, Gräben, Zugbrücken, Thürmen und Warten, und reiſige Knechte hielten auf Thoren, Brücken und Zinnen Wache über Burg und Stadt.

Den Herzog Otto, den nur ſeine Gegner mit dem Beinamen desQuaden Böſen oder Malus zu charak⸗ teriſiren wagten und den ſeine ritterlichen Freunde lieber als Armipotens oder Bellicoſus bezeichneten, während er gemeinhin alsHerzog an der Leine weit und breit im Lande bekannt war, liebte es, zuweilen den Göt⸗ tinger Bürgern ſeinen Glanz, ſo wie die Macht zu zeigen, welche durch die, auf ſeinen Ruf ſich um ihn einfindende Ritterſchaft den Städtern am Meiſten imponirte, da dieſe daran die Gehülfen des fürſtlichen Willens recht gut ab⸗ zuſchätzen vermochten. Obgleich die früheren Herzöge, Otto der Milde und Ernſt, beide Söhne des im Jahre 1318 verſtorbenen Herzogs Albrecht des Feiſten, mit der Stadt Göttingen im Allgemeinen im guten Einvernehmen geſtanden hatten, namentlich der milde Otto, als Freund der Städte, ihnen in Bewilligung mancher Privilegien gewogen geweſen war, ſo hatte doch Herzog Ernſt, der Vater des Herzogs an der Leine, mancherlei kleine Zwiſte mit der Stadt gehabt und war nicht immer mit ihr im