Teil eines Werkes 
2. Theil (1860) Das Turnier zu Göttingen / Hermann von Maltitz
Entstehung
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Herr antworrete Eckharddrei adlige Män⸗ ner aus Göttingen ſind eingetroffen, der Hildebrand von Uslar, der Dietrich von Ludolphshauſen und der Bodo von Schneen, um Euch die Fehde der Stadt Göt⸗ tingen anzukündigen und den Abſagebrief zu überbringen.

Der alte Landgraf ſprang entrüſtet auf, ſchritt durch ſein Gemach und rief:Auch das noch? Meine Freunde und meines Gegners Feinde kehren das Schwert gegen den alten Mann, den ſie ſchwach und weibiſch glauben? Jetzt blieb er vor ſeinem, ebenfalls aufgeſtandenen Neffen ſtehen, ſah ihn bitter lächelnd an und ſprach:Nun, Landgraf von Thüringen, wollt Ihr nicht ein gutes Theil von meinem guten Heſſen opfern, oder lieber dem Otto das Erbe abtreten? 1

Bei dieſem Schwerte, Oheim! rief Hermann er⸗ glühyndIhr ſollt mich nicht wieder kleinmüthig nen⸗ nen verabſchiedet mich, daß ich mich an die Spitze mei⸗ ner Streiter ſtelle, und hier ſiege oder falle.

Der Greis legte die Hand auf des Neffen Schulter,

lächelte ihn an und ſprach:So gefällſt Du mir;

keine Scholle Land gebe ich dem trotzigen Göttinger, ohne daß ſie mit dem Blute ſeiner Beute getränkt iſt.

Ewige Schande jedem Heſſenfürſten, der auch nur eine Seele ſeiner Unterthanen an einen fremden Herrn verkaufen möchte! rief Ritter Eckhard.

Da Freunde ſich gegen mich in Feinde wandeln, ſo will ich Feinde zu Freunden machen ſagte der alte Landgraf;laſſ't mein Pferd ſatteln! Ich will nach Eſchwege reiten, die alte Feindſchaft mit dem Markgrafen