„In dieſer Kirche lauert nichts Böſes“— antwortete Margarethe mit lauter Stimme, die vom Gewölbe wieder⸗ hallte— ich ſuche den Mann, dem man den Weg ver⸗ legt hat.“—
Das Erſtaunen des Henricus über das muthige, un⸗ verſtändliche Benehmen der Herzogin und die Angſt Hanna's, welche ſich an die Weiterſchreitende drängte, wandelten ſich in Beſtürzung, als plötzlich eine Geſtalt aus dem Schatten trat und ſich tief verhüllt vor der Herzogin neigte. Schnell wendete ſie ſich gegen ihre Begleiter und ſprach befehlend, mit heftiger Betonung:—„Erwartet mich am Weihwaſſer⸗ Becken!“— Die in Ueberraſchung Zögernden folgten einem glänzenden, ungewöhnlich gebietenden Blicke der erregten Frau.
„Eckhard!“ flüſterte ſie—„O, mein Gott! Eure An⸗ hänglichkeit an mich hat Euch in Gefahr gebracht!“—
„Ich hörte, was Henricus Euch mittheilte;— ich ſinne auf eine kühne That, ängſtigt Euch nicht um mich, mit Eurem Segen ſtehe ich unter höherem Schutze; ich bin nur hervorgetreten, um Euch zu beruhigen.“—
Margarethe hob die gefalteten Hände vor den Mund und ſah wehmüthig, unſäglich liebevoll in die muthigen, leuchtend auf ſie gerichteten Augen.—„Heilige Maria“— ſprach ſie gedankenvoll und kaum hörbar—— verzeihe mir, wenn ich ſchwer fündige!— Ach— ich kann nicht anders!“— Plötzlich warf ſie den Schleier über das Ge⸗ ſicht und ſprach:—„Verhüllt Euch— führet mich— Ritter! wir dürfen uns nie wiederſehen?“— Sie faßte des Mannes Arm und ſchritt nach der entfernten Gegend, wo am Eingange der Kirche das geweihte Waſſerbecken ſtand,


