hatte ſein bleichgewordenes Angeſicht noch die rohen, dro⸗ henden Züge, aber die finſtere Miene war mehr der unbe⸗ wußte Ausdruck einer geheimen Seelennoth, ſein befeh⸗ leriſches Wort die unfreiwillige Sprache innerer Gewiſſens⸗ unruhe und Selbſtverdruſſes. Er dachte nicht mehr daran, Rache zu üben, aber er war ein zu treuer Diener ſeines Herrn, um nicht deſſen Befehle pünktlich zu befolgen und wenigſtens in menſchlicher Weiſe deſſen Intereſſen zu ver⸗ treten. Zu dieſen Befehlen gehörte auch der, die Herzogin zu ſchützen, den Bollrutz zu hüten und den Zehnten einzutreiben.
Margarethe hatte in der Albanikirche, die heute völlig menſchenleer war, da die Einwohner der Stadt von dem Kriegszuge der Bürger erregt, die Männer in den Ver⸗ ſammlungen oder im Hauſe mit der Tröſtung ihrer Weiber beſchäftigt waren, einen einſamen Altar aufgeſucht und, um ihren heftigen Gefühlen keinen anderen Zeugen, als Gott und die Heiligen zu geben, Henricus nnd Hanna veranlaßt, in einem Kreuzgange der Kirche auf ihre Rückkehr zu warten. Der Mond ſchien durch die Kirchenfenſter in die feierliche Halle, der trübe Schimmer einer Lampe, die über dem Altare brannte, fiel auf die ſchwarze Schattengeſtalt der demüthig knieenden fürſtlichen Beterin nieder und unterſchied ſie kaum von der ungewiſſen Dämmerung, welche ſie umgab. Hier ſpendete Margarethe reiche Opfer auf dem Altar, hier weinte und flehte ihre ringende Seele, hier erhob ſie die Hände zum heiligen Bilde und ihr Seufzer verhallte matt im weiten, feierlichen Gewölbe. Ein lautes„Ach!“ ſchien von einer nahen Säule zurückgeworfen zu werden; ſie blickte


