Teil eines Werkes 
2. Theil (1860) Das Turnier zu Göttingen / Hermann von Maltitz
Entstehung
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und Henricus begleitet, den Bollrutz, nahm ihren ſtillen Weg innerhalb der befeſtigten Stadtwälle am Albanithore vorbei und trat in das älteſte Gotteshaus der Stadt, die Albani⸗ kirche, um hier die Vesperandacht abzuhalten. Ihr Gemüth war bewegt, ihr verſchleiertes Auge ſchwer bewölkt und feucht. Der Herzog war geſtern auf dem Bollrutz mit einer großen Begleitung von Sternrittern und vielen Reiſigen eingetroffen, hatte kaum Zeit gehabt, Gemahl und Sohn zu ſehen, aber viel mit dem Rathe verkehrt, eine heftige Aufregung gezeigt und heute Mittags wieder gegen Münden ſeinen ſchnellen Abzug genommen. Henricus hatte die erſte Kunde von dem Zwecke des Herzogs zu Margarethen gebracht; entrüſtet über die wirklich erfolgte Ablehnung der Stadt, ihm im Kriege gegen den Landgrafen beizuſtehen, war er nach mehrtägigen Verhandlungen, Drohungen und Verſprechungen endlich in ſo ungeduldigen Zorn gerathen, daß er ſich perſönlich und mit kriegeriſchem Gefolge auf den Weg nach Göttingen gemacht hatte, um die zögernde Stadt einzuſchüchtern und unter ſeinen Willen zu zwingen. Als hätte er ein Vorbild an ſeinem Vetter Magnus genommen, ſo redete er den Rath an, drohte ihm, alle verbrieften Privilegien zu ver⸗ nichten, Fiſcherei und Jagd zu nehmen und, um ſeinen Drohungen Nachdruck zu geben, hatte er den in Göttingen gefürchteten, ehemaligen Groner Vogt, Hans Druchtleif, mitgebracht, ihn zum herzoglichen Schulzen der Stadt Göt⸗ tingen und Vogt des Bollrutz eingeſetzt, in der Meinung, daß dieſer den Bürgern ſchon⸗ ſeine langen Kopfſchmerzen vergelten werde. Die Bürgerſchaft wurde ſo ſehr in Furcht geſetzt, daß der Rath, trotz der heftigſten Gegenrede Frei⸗

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