Teil eines Werkes 
2. Theil (1860) Das Turnier zu Göttingen / Hermann von Maltitz
Entstehung
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die Ihr von mir fordert, indem Ihr ſie ſchmeichleriſch oder in Selbſtüberredung mir zuſchreibt. Fürchtet Ihr etwa, daß mein Gemahl ſchlimme Abſichten gegen Euer Vaterland habe? Iſt es nicht ſeiner Mutter alter Vater, der dort herrſcht und den er liebt? Hat der Landgraf nicht einen Erben, den Sohn ſeines Bruders Ludwig, dem Heſſen von Gott und Rechtswegen gebührt?“—

—„Iſt es Euch entgangen, als Ihr vor acht Tagen mit der Herzogin Jutta am Hoflager zu Caſſel verweiltet, daß der alte Herr von ſtiller Sorge bedrückt und ſein immer noch funkelndes Auge umwölkt war? Seit 1366, wo ſein ein⸗ ziger Sohn, Otto, genannt der Schütz, in der Kraft ſeiner Jugend eines plötzlichen Todes erblich, iſt er in ſeinem hohen Alter aller Leibes⸗ und Landeserben beraubt worden, und es hat ihm viel Schmerz und Gram gemacht. Daher ſtammte ſein verdrießlicher Sinn, ſein oft leidenſchaftlicher Zorn, ſein gewaltſamer Eigenwille. Ihr wiſſet, der Landgraf iſt ein Freund der Waffen, der muthigen und tapferen Leute, ein Feind der Geiſtlichen, der Gelehrten. Er kann ſich nicht an den Gedanken gewöhnen, daß ſein Land unter einem Mönchsfreunde ſchwach und eine Beute entſchloſſener Nach⸗ barfürſten werde; dieſe Vorſtellung regt ihn oft mitten in froher Laune und im ſtillen Schlafe zu böſer Leidenſchaft auf und er hat beſchloſſen, ſich bei Lebzeiten ſelber einen Nach⸗ folger zu beſtimmen, der ihm gefällt.“—

—„Ihr ſetzt mich in Erſtaunen, Ritter Eckhard“— ſprach Margarethe, indem ſie ſich wieder auf den Seſſel

niederließ—„Ihr redet dem Landgrafen, Eurem vertrau⸗

ten Herrn, das Wort, dem Neffen Hermann das gerechte