Teil eines Werkes 
2. Theil (1860) Das Turnier zu Göttingen / Hermann von Maltitz
Entstehung
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Erde zu rauben? Haltet Ihr einen Fürſten für einen Schwächling und ſchlechten Regenten, der mit Gott und Heiligen ſeinen Sinn erfüllt und ſeinen Geiſt, anſtatt mit wilden Streit⸗ und Jagdbildern, mit der Wiſſenſchaft edlen Gedanken und der Kunſt ſchönen Empfindungen ergötzt?“

—„SHerzogin, ich bin ein Ritter; die Waffe iſt mein Werkzeug, die Tapferkeit meine Tugend, Fechten meine Ge⸗ ſchicklichkeit; Mannesſtolz, Geſinnung und Muth ſind meine Ehren. In einer vertraulichen Stunde ſagte der Landgraf zu mir:„ein Fürſt, der mit Gelehrſamkeit verkehrt, das Buch ſtatt des Schildes, die Feder ſtatt des Schwertes, das geiſtliche Gewand ſtatt der Rüſtung trägt, der ver⸗ ſäumt ſein Land und es regieren Kirche und Vaſallen nach eigenem Gutdünken und Vortheile. Mag er Wiſſenſchaft und Kirche fördern, es wird ihn auf Erden und im Him⸗ mel zieren, aber er ſelber ſoll als regierender Herr kein Gelehrter oder Geiſtlicher ſein.— So ſprach der Landgraf und ich ſchwieg, ein Widerſpruch hätte ihn zu einer eigen⸗ ſinnigen, raſchen That gereizt und— ich hatte ihm nichts zu erwidern, als: handelt gerecht!“—

—„Nennet Ihr die Biſchöfe ohnmächtig? Iſt das Stift Hildesheim ein Land, das die Schwächen zeigt, welche Ihr meinet?“—

—„Wenn der Biſchof unter der Stola den Harniſch und neber dem Krummſtabe das Schwert trägt, ſo gebe ich Euch Recht.— Ich achte des Landgrafen Neffen, Her⸗ mann, als einen redlichen Mann; freilich hat er noch nichts gethan, wodurch er ſich dem Oheim als Rittersmann, Fürſt und Nachfolger empfohlen hätte; der Landgraf haßt ihn