Teil eines Werkes 
2. Theil (1860) Das Turnier zu Göttingen / Hermann von Maltitz
Entstehung
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iſt Gefühl— aber Männer und Fürſten handeln nach Willen, Muth und Leidenſchaft; das Weib findet ſeine Ehre in ſanfter Sitte und ſtiller Tugend, der Mann in That und Freiheit.“—

—„Herzogin! In Euch begrüße ich meines Vaterlandes künftige Schutzpatronin, die auf den, ſeit lange von edler Frauenſitte verwaiſten Thron zu Caſſel die ſanfteren Tu⸗ genden des frommen Herzens zurückführen wird, welche mit Jutta's Mutter zu Grabe getragen wurden. Wo des Fürſten Sinn und Eigenwille durch Kraft, Furcht und Ge⸗ walt herrſcht, um ſich und ſeinen Beſitz zu behaupten, da ſoll der Fürſtin Hand Blumen der Verſöhnung auf die Spuren der männlichen That ſtreuen; wo der Herrſcher, von politiſchen Gründen geleitet, Wunden ſchlägt, den Unter⸗ thanen ungerecht erſcheint und Herzen beängſtigt, da ſoll das weiche Gemüth der Fürſtin durch Liebe heilen, durch Mitleid Liebe erwecken, durch Frömmigkeit Gottes Segen in Land und Volk bringen und durch ihren himmliſchen Blick jeglichen Groll löſchen. O, Herzogin, wird dieſes das künftige Schickſal meines Vaterlandes ſein?“—

—„Ihr redet in ſeltſamem Eifer, Herr Ritter,“ ver⸗ ſetzte Margarethe ſichtbar verlegen, als Eckhard ſeine, mit ſchnell wachſender Begeiſterung geſprochenen Worte durch herausfordernde Blicke und erhobenen Arm verſtärkte.— „Noch faſſe ich den Sinn Eurer Anforderung an mich nicht;— beinahe glaube ich, es ſei Euch des Herzogs, meines Gemahls, Herrſchaft, falls ſie ſich über Fulda und Werra aufwärts erſtrecken koͤnnte, ein drohendes Geſpenſt, das Ihr durch die Gewalt der Tugenden bannen möchtet,