zur Stunde ein, wo eben der Turnierzug begann. Es blieb mir nichts übrig, als nach kurzer Ruhe, als ſtiller Ritter nach der Stechbahn zu reiten. So hielt ich unbemerkt und unerkannt in Eurer Nähe, bis der Uebermuth des fran⸗ zöſiſchen Ritters mein Blut erhitzte und es die Ehre deutſcher Frauen galt. Euch anblickend, aus Euren Augen Begeiſte⸗ rung ſaugend, war es mein Verlangen, Eurer Ehre und Tugend Kämpfer zu werden, es galt mehr noch, als das, ich ſtritt für den Preis meines Vaterlandes, für den Ruhm, daß Heſſens künftige Landesmutter die erſte Frau der deut⸗ ſchen Frauen ſei.“—
Margarethe erröthete flüchtig.—„Wie verſtehe ich Eure Rede?“— fragte ſie ſinnend.
—„Herzogin! Haltet meinem Intereſſe an dem, was ich bei dem Herzoge zu verrichten habe, das verrätheriſche Wort zu Gute; laſſet mich Euch zuerſt verkünden, was Euer Ge⸗ mahl erſt aus des Großvaters Briefe erſehen ſoll!“— Ritter Rönfurt ſah vorſichtig auf die Hofdame und ſchwieg.
—„Thut, was Eure Pflicht gebeut, es i*ſt nicht gut, dem Weibesgefühle Geheimniſſe anzuvertrauen, die Männer beſchäftigen.“—
—„Darf ich als Euer Ritter nicht von Liebe mit Euch reden, ſo gewährt mir, Euch zur Theilnehmerin deſſen zu machen, was mich lebhaft bewegt.“—
—„Hanna von Kehl iſt meine Vertraute“— ſprach Margarethe, ſich im Gefühle der Unruhe erhebend—„Ihr müßt wiſſen, was Ihr mir ſagen dürft.“—
—„Was die Welt in Kurzem erfahren wird, iſt heute Maltitz, Herzog. II. 3


