Teil eines Werkes 
2. Theil (1860) Das Turnier zu Göttingen / Hermann von Maltitz
Entstehung
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mir ganz zu leben; laß mich allein, Hanna, geh' zu meinem Kinde und bringe ihm dieſen Kuß. Sie drückte ihre Lippen auf der Freundin Wange und kehrte ſich ab. Die Hofdame entfernte ſich.

Margarethe blieb abgekehrt ſtehen und barg eine ver⸗ rätheriſche Thräne ihrer weichen Gefühlsbewegung.

Henricus öffnete die Thür; Gertrude trat ſchüchtern ein, ſchritt zögernd näher und erwartete, daß die Herzogin ſich umwenden würde. Dieſe kehrte ſich gegen die Eingetretetene in edler Hoheit und Würde einer Fürſtin; durch die feſte, herzogliche Haltung ſchien ſie die eigene, weiche Stimmung beherrſchen zu wollen. Gertrude warf ſich ihr zu Füßen, ſchlug ihre leuchtenden Blicke zu dem ruhig auf ſie nieder⸗ ſtrahlenden Auge der Herzogin empor und ſprach:Hohe, gnädige Frau rechnet es mir nicht als Undank an, wenn ich Euch anflehe, meinem Herzen zu gewähren, was Ihr demſelben gerettet habt; Ihr ſeid mir als Herzogin ein Schutzengel geworden, ſeid es auch in der ſchönen Eigen⸗ ſchaft des Weibes! Vor Eurer Hohheit würde ich mit meiner Bitte verſtummen, aber vor Eurem Herzen fürchte ich mich nicht, einzugeſtehen, was ich der Herzogin nur mit Zagen und Beſchämung zu ſagen vermöchte; ich bin Eure Dienerin, Euch zum Danke und mir zur Sicherheit; Ihr habt mich einer edlen Dame als Zofe anvertrauet, o! beſtimmet, was aus mir werden ſoll, wenn Ihr erfahret, daß meines Herzens heißeſtes Gefühl nicht Euch allein mehr angehört wenn ich einen ehrbaren Mann liebe, der mir von Gott beſchieden iſt..

Und das konnteſt Du mir verbergen? er⸗