— 22—
von Kehl trat ein.—„Henricus war bei Dir?“— ſprach ſie—„er begegnete mir.— Es hat ſich der Ritter Eckhard von Rönfurt melden laſſen und bittet, ſeiner hohen Turnier⸗ dame die dienſtfertige Aufwartung machen zu dürfen.“—
Margarethe erſchien unruhig.—„Laß ihn noch warten“ — antwortete ſie mit einer Haſt, als wollte ſie den Ritter abwehren;—„ich habe Gertrude zu mir rufen laſſen.“— Als die junge Hofdame ihre fürſtliche Jugendfreundin fragend und vielleicht nicht ohne einen Zug der Befremdung anſah, trat Margarethe auf ſie zu, blickte ihr freundlich bittend in
die dunkeln Augen, legte ſchmeichelnd ihre Hand auf deren
Wange und ſprach mit überredendem Tone:—„Iſt es dem Herzen eines Weibes nicht Erquickung, aus dem reinen Born der Liebe zu ſchöpfen und Theil zu nehmen, wo er aus fremdem Herzen quillt? Iſt unſer natürliches Gefühl nicht Liebe und Sympathie? Und iſt es nicht mit allen Herzen verwandt, die in Unſchuld und Weiblichkeit empfin⸗ den, was uns ſelbſt glücklich macht, oder wir entbehren? Gertrude liebt;— ich will am friſchen Strome ihres hei⸗ lichſten Gefühls mein eigenes Herz erfriſchen; die Herzogin iſt arm gegen dieſes Bürgermädchen!“—
Hanna umarmte die Freundin, blickte tief in deren Augen und flüſterte:—„Sieh' nicht ſo leidend aus, Margarethe — ſei heute ganz des Herzogs Gemahlin— das Volk blickt auf Dich— Du haſt einſame Tage genug, wo Du dem Gefühle des Weibes nachhängen kannſt.“—
Margarethe lächelte.—„Das Volk blickt auf mich! Fürſtin, verleugne das Weib!— Liebe Hanna, gönne mir dieſe Stunde, wo Ritter und Edelfrauen Sieſta halten, um


