Teil eines Werkes 
2. Theil (1860) Das Turnier zu Göttingen / Hermann von Maltitz
Entstehung
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Jetzt trat Henricus ein; ſie eilte ihm entgegen und ſtutzte. Du haſt ein heiteres Geſicht? Du lächelſt ſorglos? Henricus, ein verkleideter Bürger iſt in die Burg geſchli⸗ chen, Gertrude iſt verſchwunden mein Gott Du biſt ſo ruhig haſt Du mir eine gute Nachricht zu bringen?

Beruhigt Euch, Herzogin; der eingeſchlichene Bürger iſt gefangen, in meinem Verwahrſam, Niemand weiß es Gertrude iſt unter ſeinem Schutze die Oelbecken fand ſie in der Kapelle; Gertrude eilte zu mir in froher Herzensbewegung, um mir zu entdecken, daß ſie eines Man⸗ nes Schutz gefunden habe für das ganze Leben.

Wie verſtehe ich das?

Ein junger Bürger und Brauherr aus Göttingen, derſelbe, welcher Gertrude vor vier Wochen aus des Han⸗ ſteiners räuberiſchen Händen befreit und ſeitdem mit verwun⸗ detem Herzen ihre Spuren ſuchte, hat ſie hier in der Sa⸗ kriſtei der Kapelle aufgefunden und Beide ſind ſelig in ihrem Anſchauen.

Gertrude liebt? Und das konnte ſie mir geheim halten?

Sie liebte den jungen Mann in der Erinnerung ſeiner That an ihr; erſt jetzt, beim erſten Wiederſehen, ver⸗ ſtanden die Herzen den geheimen Zug, der ihre Gedanken miteinander kreuzte; die Liebe hat ihre eigene Sprache und Botmäßigkeit, ein Funke unter der Aſche der Hoff⸗ nungsloſigkeit, wird er ſchnell zur lichten Flamme, wenn er durch den rechten Mund angeblaſen wird; das Herz braucht ſeines geheimen Zuges Gegenſtand nur einmal zu erblicken und das iſt ihm genug, ohne weitere Frage demſelben ſein