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wäre das die erſte That der heute gelobten Rittertugend, die erſte Frucht der glänzenden, ceremoniellen Lüge, die heute mein Ohr anhören mußte? Die Probe ſeines heuchleriſchen Gelübdes nach der Gott gewidmeten Faſtennacht und dem Sacrament?— Wäre es der Groner Vogt, der unter ſeines Herrn Gunſt der Herzogin zu trotzen wagt?— Gertrude muß fort, ſie vernichtet meine Ruhe, ſie lehrt mich Männer in ihrer gemeinen Schwäche kennen, ſchwächer als ein Weib! Einen Mann möchte ich finden, der männlich und edel genug iſt, ein Mädchen der Tugend wegen zu ſchützen; — der Oldershauſen iſt ein ſtolzer Mann, aber er betet ſein Weib an, er ſoll es mir auf ſein ritterliches Schwert geloben, Gertrude als mein Eigenthum zu behüten.“— Hanna von Kehl blieb lange fort;— Margarethe's Unruhe wurde dadurch geſteigert. Sie läutete mit der Glocke und ein feſtlich geſchmückter Page trat ein.—„Henricus ſoll kommen!“— befahl ſie ungewöhnlich heftig.—„Er wird geſucht, Herzogliche Gnaden“— erwiderte der Edelknabe— „ich habe wol gehört, daß man ihn nirgends finden kann.“— —„Eile, ſucht ihn überall, in der Kapelle, in den Gallerien, in der Stadt!“— rief Margarethe, mit den Armen den Pagen hinausſcheuchend; dann warf ſie ſich in den Seſſel und ſtützte die heiße Stirn auf die brennende Hand.„Ich habe es Gott gelobt, dieſes Mädchens reine Seele zu ſchützen, ich——;¹“ ſie ſtockte, den Gedanken
vor ihren eigenen Ohren hörbar zu machen, daß ſie dem
Gatten die verbrecheriſche That an dem auserſehenen Opfer ſeiner Luſt und an ihrer eigenen Ehre und Liebe erſchweren
und unmöglich machen wolle.— 2*


