Teil eines Werkes 
2. Theil (1860) Das Turnier zu Göttingen / Hermann von Maltitz
Entstehung
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Sinn ergötzt, wie ſtark ſie ſich beherrſcht hatte, der Fürſtin die ſtilleren Gefühle des ſanften Weibes zum Opfer zu bringen, und wie abgeſpannt an Geiſt und Seele ſie im Lärm der Waffen, im Geſchmetter der Trompeten und

im Geräuſch der Luſt am wilden Spiele und galanten Rit⸗

terdienſte, auf reichbehangenem Zelter in die Burg einzog, brauchen wir nach den vorhergegangenen Ereigniſſen nicht be⸗ ſonders zu ſchildern. Wie auf den Sturm in der Natur, und auf Leidenſchaft in der Menſchenſeele die Ruhe der Ermü⸗ dung folgt, ſo verlangt auch die Feſtfreude eine Pauſe. Dies war nun auch in der Burg und Stadt zeitweiſe ein⸗ getroffen. Die Ritter, welche theils im Bollrutz, theils in den Adelshöfen und Herbergen der Stadt logirten, ruheten vom Waffenſpiele aus und legten die Rüſtungen ab, um ſich für die Stunde des großen Gaſtmahles, das der Her⸗ zog ſeinen Gäſten geben wollte, in die ſeidenen und reichen Wammſe und den friedlichen Glanz ihres Standes zu klei⸗ den, denn das Gaſtmahl nach einem Turniere war ein ritterliches Spiel ſiegreicher und beſiegter Herzen. Die Sieger der Rennbahn ſaßen bei ihren Damen und Preis⸗ geberinnen, durften ſie küſſen und zum Tanze führen und manche Dame gewährte dem Schmeichler oder Anbeter ihrer Schönheit und Anmuth einen Schmuck von ihrem Buſen oder das Anlegen ihrer Farben und Schärpe.

Dem Geräuſche entflohen, ſaß Margarethe im Bou⸗

doir erſchöpft auf einem Seſſel, das blonde Lockenhaupt auf den weißen Arm geſtützt, den blauen Blick träumeriſch geſenkt; Hanna ſtand hinter ihr, das ſtrahlende Diadem, welches Margarethe's Haupt mehr zum Abbilde der