Teil eines Werkes 
2. Theil (1860) Das Turnier zu Göttingen / Hermann von Maltitz
Entstehung
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daß ſie, zur Ausübung einer bußfertigen Handlung, ſich in das ſtillere Schloß Münden zu begeben wünſche; der Herzog willigte ein, vielleicht um ſo bereitwilliger, als er ſelbſt dem Blicke Margarethe's ausweichen wollte, und ſchon am Mittag fuhr dieſe, von Henricus, der Hofdame Hanna von Kehl, Gertruden, als Leibdienerin, und einigen reiſigen Knappen als Schutz begleitet, nach der Herrſchaft Münden ab. Hier weilte ſie in der theilnehmenden Nähe der Her⸗ zogin Jutta drei Wochen, als des Herzogs Befehl eintraf, ſich bereit zu halten, am erſten Sonntage nach Lichtmeſſen beim großen Turnier in Göttingen zu erſcheinen und vor Ritterſchaft und Volk die fürſtliche Würde zu repräſentiren. Jutta hatte auf Margarethe's Gemüth einen beruhigenden Einfluß geübt, das Loos des Weibes als Dulden, das der Fürſtin als Dulden und Selbſtbeherrſchung dargeſtellt; ſie hatte die junge Schwiegertochter angefleht, vor der großen Welt des Herzogs Stolz und Willen zu theilen, in der ſtilleren Welt des Hauſes aber nicht müde zu werden, beſänftigend auf ſeine Leidenſchaft und Heftigkeit einzuwirken und nicht zu vergeſſen, daß die hingebende, opferfreudige Liebe des Weibes allmählig des ungeſtümſten Mannes Cha⸗ rakter überwinde, wie eine weiche Luft unmerklich den Eis⸗ block ſchmelze, und daß der ſtolze Uebermuth des Mannes nur unbeugſamer werde, wenn er ſich vor des Weibes ſchwacher Natur gedemüthigt fühle. Jutta hatte Margare⸗ then gerathen, auszuharren, nicht zu ermüden in ſanfter Ausgleichung ſeines, des Gemahls, heftigem Sinne, gehor⸗ ſam zu erſcheinen, wo ſie auf Beherrſchung abſehe und durch zu große Frömmigkeit nicht die Brücke zwiſchen ihrer Welt