— 12— Sünde entziehen wollte, hatten ſie beſtimmt, das Schloß
Harſte zu verlaſſen. Am anderen Morgen rief ſie die Pagen einzeln zu ſich, um denjenigen zu ſtrafen, der Gertrude aus
ihrem Gemach gelockt und den Namen der Herzogin miß⸗
braucht hatte.— Kurd von Weferlingen, der Bruder der rothhaarigen, muthwilligen und weltluſtigen Hofdame Olga, welche der Herzog ſeiner Gemahlin beigegeben hatte, um den frommen Sinn derſelben in eine, ſeinem Geſchmack entſprechende muntere Weltluſt zu kehren, Kurd, ein kaum vierzehnjähriger Knabe, war ehrlich und befangen genug, ſeine Schuld einzugeſtehen und den Edelknappen Hermann von Hanſtein als Urheber zu verrathen. Das leicht ver⸗
zeihende, ſo gern an der Menſchen Tugend glaubende Herz Margarethe's ſchwankte einen Augenblick, ſich überredend,
daß der Gemahl wahr geſprochen und der Edelknappe des Mädchens eigentlicher Uebelthäter geweſen ſei; ſie überredete ſich durch gewaltſame Gründe, durch die Vorſtellung, daß der Herzog unmöglich ſo leichtfertig ihre Frage an ſeine Ehre und Pflicht hätte beantworten können, wenn er vor dem eigenen Gewiſſen hätte lügen müſſen, an die Unſchuld des Gemahls zu glauben, zumal Gertrude erzählt hatte, daß derſelbe Hanſteiner es geweſen ſei, der ſie räuberiſch aufgehoben und entführt habe. Henricus widerſprach nicht, aber ſein Schweigen und Gertrude's Verleugnung des Mannes, der ihr im Schloſſe Gewalt angethan habe, machte ihre angeſtrengte Selbſtüberredung verſtummen.—
Am anderen Morgen, ehe Otto mit ſeinem ritterlichen Gaſtfreunde ausritt, ſandte Margarethe das Söhnchen zum Vater, um ihm im Anblicke des Kindes melden zu laſſen,


